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Die SPD hat sich beim CDU-Spot bedient
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Wahlwerbe-Zoff Wie die SPD den CDU-Spot persifliert - und warum das so schnell ging

Die SPD hat sich beim CDU-Spot bedient
Bislang war der Bundestagswahlkampf noch einigermaßen zahm. Jetzt scheinen die Parteien allmählich in den Angriffsmodus überzugehen. Vor allem die SPD hat offenbar Blut geleckt. In einem mit heißer Nadel gestrickten Video haben die Sozialdemokraten auf den ersten, am Donnerstagvormittag präsentierten Wahlwerbespot der CDU reagiert - und dabei auch ein zentrales Element des CDU-Spots von Jung von Matt übernommen. Das Verrückte daran: Der SPD-Film war sogar schon vor der öffentlichen Präsentation des CDU-Commercials auf Facebook zu finden. Zauberei?
von Marco Saal, Donnerstag, 24. August 2017
Bei der CDU und Jung von Matt dürfte das jüngste SPD-Video für ziemlichen Wirbel sorgen. Grund: Die SPD hat zentrale Elemente des CDU-Spots übernommen und abgewandelt - sehr zum Nachteil der Union, versteht sich. So dreht sich auch der SPD-Film um einen Embryo und die Frage, in welchem Land dieser einmal leben wird. Die Antworten, die  im SPD-Spot gegeben werden, unterscheiden sich freilich fundamental von denen aus dem CDU-Spot. Ja mehr noch. Die Antworten sollen die Versprechen der Union als heuchlerisch entlarven und die SPD als bessere Alternative präsentieren.
Kostprobe gefällig? Während die CDU nur ganz allgemein Themen wie Freiheit, Arbeit, Bildung und Wohlstand thematisiert, nennt die SPD jeweils noch abschreckende Alternativen, die dann zwischen den Zeilen den Christdemokraten angelastet werden. So schwärmt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in dem Spot von einem "Land, in dem mehr Geld in Schulen und Bildung investiert wird als in Panzer und Drohnen." Oder von einem Land, "in dem du von deiner Rente gut leben kannst und nicht bis 70 arbeiten musst." Und wenn Schulz von einem Land schwärmt, "in dem Dinge angepackt statt ausgesessen werden", ist das der offensichtlichste Angriff auf seine Kontrahentin Angela Merkel, der genau das oft vorgeworfen wird. 

Die Frage, die sich nun vor allem Jung von Matt und das Wahlkampfteam der CDU stellen werden ist, wie das alles überhaupt passieren konnte. Denn als die SPD ihr Video am Mittwoch gegen 17 Uhr auf Facebook als "Antwort auf den CDU-Spot" postete, hatte das erst heute präsentierte Commercial das Licht der Öffentlichkeit noch gar nicht erblickt.
Wie es möglich war, auf einen noch unveröffentlichten Wahlwerbespot zu reagieren, den neben Angela Merkel und ihrem Wahlkampfteam eigentlich nur die zuständigen Mitarbeiter der betreuenden Agentur Jung von Matt und der Filmproduktionsfirma gekannt haben durften, erklärt Olaf Uthmann von KNSK gegenüber HORIZONT Online. "Wir waren nicht ganz unvorbereitet. Den Inhalt des CDU-Spots haben uns ein paar Vögelchen zugezwitschert", verrät Uthmann, der bei der SPD-Agentur KNSK als Management Supervisor und Partner wirkt. Laut Uthmann hatte die Agentur vor ein paar Tagen von dem CDU-Spot Wind bekommen und den SPD-Film dann in einer Hau-Ruck-Aktion inhouse ohne zusätzliche Produktionsfirma entwickelt. Ziel sei es, dem Spot der Union die Kraft zu nehmen. Man darf gespannt sein, wie die Reaktion der CDU ausfällt. mas
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