Auftritt des Tages Wieso die Erlöserstatue von Rio de Janeiro nach Neapel flieht

Mittwoch, 09. Juli 2014
Fastwebs Marketing-Stunt in Neapel hat nun eine unbeabsichtigte Konnotation (Foto: Fastweb)
Fastwebs Marketing-Stunt in Neapel hat nun eine unbeabsichtigte Konnotation (Foto: Fastweb)


Während des Halbfinals Brasilien gegen Deutschland traute die Fußball-Welt ihren Augen kaum. Für die Fans in Neapel geht der surreale Traum am nächsten Morgen weiter. Sie finden seit heute auf der Piazza Dante einen Besucher vor, der normalerweise auf dem Corcovado-Hügel über Rio de Janeiro thront: Die weltberühmte Christus-Statue. Hinter der Flucht des obersten Schutzheiligen aus Brasilien steckt allerdings nicht die Schmach der historischen Niederlage, sondern der italienische Internetanbieter Fastweb.
Auf Twitter kursierten schon erste Fluchtfotos
Auf Twitter kursierten schon erste Fluchtfotos
Die von M&C Saatchi Mailand für Fastweb kreierte Kampagne sollte vor allem die hohe Geschwindigkeit des Anbieters vermitteln. Dazu wählte das Unternehmen die Chistus-der-Erlöser-Statue, deren Abbild derzeit in Italien die am meisten heruntergeladene und geteilte Bilddatei ist. Der Nachbau ist mit 20 Metern nur wenig kleiner als das 30 Meter große Original und wurde zusammen mit dem Erzbistum Rio de Janeiro organisert, das die Markenrechte an der Statue besitzt. Mit einem umfangreichen brasilianischen Eventprogramm und einer eigenen Website, Immaginapuoi.it, soll der "epische Download" (O-Ton Agentur) on- wie offline zum dauerhaften Thema werden.

Auch für den Nachfolger auf dem Corcovado-Hügel gibt es schon Vorschläge
Auch für den Nachfolger auf dem Corcovado-Hügel gibt es schon Vorschläge
Bleibt allerdings die große Frage, ob sich das Thema in die von der Agentur erwünschte Richtung entwickelt. Denn schon unmittelbar nach dem 1:7-Debakel für Brasilien kursierten Bilder im Internet, die einen entsetzten Christus zeigten oder die bekannte Statue durch Angela Merkel ersetzten. Das plötzliche Erscheinen in Neapel könnte daher durchaus zu Spekulationen Anlass geben, dass der Schutzpatron Rio de Janeiros angesichts des Verfalls der brasillianischen Fußballkultur in Italien Asyl gesucht hat. Auch beim begleitenden Eventprogramm dürfte angesichts des zeitlichen Kontexts jede Inszenierung von brasilianischer Lebensfreude eher unglaubwürdig wirken. cam

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