Auf den Spuren von Amazon Warum sich Zalando mit seinem Bilderkennungs-Tool schwer tut

Dienstag, 05. August 2014
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Mit dem Gewinn im 2. Quartal und der positiven Jahresprognose hat Zalando gerade erst für wohlwollende Schlagzeilen gesorgt. Jetzt beflügelt die Marke wieder Wachstumsphantasien. Mit einem neuen Foto-Erkennungstool in der iOS-Smartphone-App soll das Einkaufen bei dem Onlineshop noch bequemer werden. Ein erster Test zeigt allerdings, dass noch viel zu tun ist. Die Idee ist durchaus sexy: Wer ein schickes T-Shirt oder eine trendige Hose bei Freunden oder beim Stadtbummel entdeckt, kann das Kleidungsstück mit der neuen Fotofunktion ablichten und im Zalando-Shop nach genau diesem oder ähnlichen Outfits suchen. Das Tool erinnert damit an die Firefly-Funktion, die Amazon in sein neues Fire-Phone eingebaut hat. Das Gerät, das einem Multifunktionsscanner gleicht, erkennt bereits über 100 Millionen Gegenstände - vom Nutella-Glas auf dem Frühstückstisch bis hin zum Song, der gerade im Radio dudelt - und lotst die Fire-Phone-Nutzer zur entsprechenden Offerte auf Amazon. Von den enormen Umsatzchancen, die eine solche Funktion verspricht, will auch Zalando profitieren: "Online Shopping findet nicht mehr ausschließlich zuhause statt, sondern immer mehr unterwegs. Dort wo die Trends am sichtbarsten sind", weiß Daniel Schneider. Der Head of Onsite Customer Journey bei Zalando will den Verbrauchern mit der aufgemotzten App die Suche nach dem neuen Lieblingsteil deutlich erleichtern. Und freilich dafür sorgen, dass die Umsätze des Unternehmens dank ansteigender mobiler Käufe weiter klettern.

Ein erster Test der Fotosuche zeigt allerdings, dass das Angebot noch weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Auch wenn Zalando betont, dass es sich um eine Testphase handelt und der gemeinsam mit dem britischen Anbieter Cortexica entwickelte Bildabgleich-Algorithmus noch weiterentwickelt wird: Wer etwa den Musikerkennungsdienst Shazam kennt, der tatsächlich exakte Treffer liefert, für den dürfte das Ergebnis der Klamottensuche unbefriedigend sein. Solange man keine Kleidungsstücke abfotografiert, die es so 1:1 bei Zalando gibt, sind die Ähnlichkeiten der Produktvorschläge mit dem Original doch recht überschaubar. Klar - bei einer Suche nach einem Herrenhemd bekommt man auch Herrenhemden angeboten. Mehr ist es aber oft nicht.

Erstaunlich ist auch, dass das Bilderkennungs-Tool des Online-Shops, der mit dem Verkauf von Schuhen groß geworden ist, alles mögliche erkennt - nur keine Schuhe. Eine Sprecherin begründet das unter anderem damit, dass Zalando inzwischen mehr Umsatz mit Bekleidung macht als mit Tretern. Es sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass Zalando seine App im nächsten Schritt entsprechend erweitert. Auch eine Version für Android ist geplant. Und: Sollte die Funktion, die in den ersten Tagen nach dem Start mehrere 1000 Mal genutzt wurde, durch die Decke gehen, dann könnte es auch eine Werbekampagne dazu geben. Entschieden ist derzeit noch nichts. mas
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