Audi-Marketer Dietmar Voggenreiter "Ziel ist es, die digitalen und realen Audi-Welten nahtlos miteinander zu vernetzen"

Montag, 13. Juni 2016
Dietmar Voggenreiter
Dietmar Voggenreiter
Foto: Audi

Dietmar Voggenreiter ist bei Audi seit November Vorstand für Vertrieb und Marketing. Er treibt die Digitalisierung der Ingolstädter Premiummarke weiter voran und setzt auf guten Content. Jetzt spricht er erstmals in HORIZONT über seine Strategie.
Wer Dietmar Voggenreiters Faible fürs Digitale verstehen will, muss sich mit seiner beruflichen Vergangenheit auseinandersetzen. Der 47-Jährige startete seine Karrriere bei Audi im Controlling, verantwortete die strategische Unternehmensplanung und war seit 2007 für das China-Geschäfts des Ingolstädter Premiumherstellers verantwortlich. Ab 2009 lebte er deswegen im Reich der Mitte, erlebte hautnah, wie die Digitalisierung eine Gesellschaft prägt und eigene Verhaltensweisen verändert. "Ich bin heute gewohnt, in einer On-Demand-Welt zu leben", sagt er im Gespräch mit HORIZONT. Und das wirkt sich auf seine Arbeits- und Denkweise aus. Mit digitalen Services und Angeboten will er die Audi-Markenwelt noch stärker emotionalisieren und noch bessere Kundenerlebnisse ermöglichen. HORIZONT Online üräsentiert Auszüge aus dem Gespräch. 

Dietmar Voggenreiter: "Die Digitalisierung öffnet uns viele neue Spielräume"

 
Herr Voggenreiter, zwingen Sie nicht vor allem die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, heute digitaler zu agieren? Unsere Branche denkt und handelt heute schon stark digital. Etwa 90 Prozent der Innovationen im Auto kommen aus der Elektronik und damit aus der digitalen Welt. Denken Sie etwa an smarte Navigationslösungen, die Services von Audi Connect oder unser Virtual Cockpit. Viele denken bei Digital nur an große Bildschirme mit Apps und Icons. Doch das Thema ist viel größer. Es geht bei uns im Vertrieb und Marketing vor allem um die drei Felder Connected Retail, neue, digital-basierte Dienstleistungen wie beispielsweise Mobilitäts-Services und digitale Kommunikation. Das zu managen und zu gestalten ist hochspannend.

Ihr Tatendrang zeigt sich beim Audi Forum am Flughafen München. Sie ließen es komplett umgestalten. Warum? Zum einen ist der Flughafen eine wunderbare Location, um Geschäftsreisenden und Touristen einen Einblick in die Audi-Welt zu geben. Zum anderen ist es eine Möglichkeit, innovative Formate für den Vertrieb sehr nah am Kunden zu testen und weiterzuentwickeln. Früher war das hier ein klassischer Showroom, heute zeigen wir, wie wir unseren physischen Handel in die virtuelle Internetwelt bringen.

Geben Sie uns bitte dafür mal ein Beispiel. In unserer Customer Private Lounge können Kunden ihr Fahrzeug, das sie oft schon daheim am PC vorkonfiguriert haben, noch mal ganz anders erleben. Auf einem viel größeren Screen mit besserer Auflösung und Lichteffekten wirkt das Ganze noch einmal wesentlich lebensechter. Und vor allem können sich unsere Kunden kompetent beraten lassen, die Funktionsweise von Assistenzsystemen digital simulieren oder andere Farben und Ausstattungen ausprobieren. Im nächsten Schritt werden wir auch 3D-Darstellungen nutzen und unsere Virtual-Reality-Brille als Vertriebs-Tool bringen.

Aber sind das nicht einfach nur nette Spielereien angesichts dessen, dass der Kunde sich ohnehin nur noch selten zum Autohaus verfährt? Sie haben Recht, dass der durchschnittliche Kunde heute vor dem Fahrzeugkauf seltener ins Autohaus kommt. Im Schnitt zweimal. Umso wichtiger ist es, dass der Audi-Händler bei diesen zwei Kontakten ein echtes Premiumerlebnis schafft, das rundum überzeugt. Von der Fach-Kompetenz bis zum Erlebnisfaktor. Der Kunde kommt heute besser vorbereitet, und wenn er seine Online-Konfigurationen mit uns teilt, wissen wir auch schon einiges über ihn. Unser Ziel ist es, die digitalen und realen Audi-Welten nahtlos miteinander zu vernetzen, und zwar über die gesamte Customer Journey. Das Gesamtergebnis wird besser, emotionaler.

Warum steigen Sie eigentlich nicht ins klassische Carsharing ein? Wir haben bewusst gesagt, wir schaffen ein Premium-Mobilitätskonzept. Ein Konzept, das in allen Facetten die Ansprüche erfüllt, für die unsere Marke steht. Unsere Kunden können gezielt den bestimmten Audi auswählen, der sie interessiert. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern und finden unsere Autos natürlich in Top-Zustand vor. Bei Audi at Home zum Beispiel, das wir jetzt auch nach Hongkong bringen, werden die Fahrzeuge für die Bewohner der Anlage permanent von Mitarbeitern gepflegt, betankt und gewartet. Mit solchen Angeboten unterscheiden wir uns deutlich von anderen Formaten am Markt.

Werden solche Angebote in fünf Jahren 50 Prozent des Audi-Umsatzes ausmachen, wie in den Medien zu lesen war? Natürlich wird der Anteil digitaler Dienste an unserem Geschäft deutlich steigen. Dabei wird es um eine ganze Bandbreite an Diensten gehen, die Mobilität noch flexibler und individueller machen. In Zukunft halten wir vielleicht Dinge im Auto vor, die der Kunde erst später je nach Bedarf durch eine monatliche Gebühr aktiviert. Etwa die Sensorik für autonomes Fahren oder neue Designs fürs Virtual Cockpit. Die Digitalisierung öffnet uns viele neue Spielräume. mir 

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