Apple Wie der neue 99-Dollar-Digitalstift die Kultmarke zur Lachnummer macht

Montag, 14. September 2015
Marktingchef Phil Schiller bei der Präsentation von Apple Pencil
Marktingchef Phil Schiller bei der Präsentation von Apple Pencil
Foto: Apple
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Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn eine Marke ihren treuesten Fans ein neues Produkt präsentiert und dafür ausgelacht wird. Doch genau das ist Apple nun passiert. Bei der Apple-Konferenz vergangene Woche erntete Marktingchef Phil Schiller spontanes Gelächter, als er einen digitalen Stift für das neue iPad mit dem gewohnten Pathos als Apple Pencil ankündigte. Die anschließenden Kommentare von Usern und anderen Marken waren noch deutlich bissiger.
Dass in einer insgesamt eher wenig beeindruckenden Produktpräsentation speziell der Apple Pencil soviel Häme auf sich zog, hat seine Gründe in der Unternehmensgeschichte selbst. Apple-Gründer Steve Jobs hatte sich 2007 bei der Präsentation des ersten iPhone als vehementer Gegner aller stiftähnlicher Eingabehilfen geoutet. Berühmt ist sein Statement: "If you see a Stylus, they blew it." Dagegen waren für ihn die Finger "das beste Zeigegerät der Welt". Acht Jahre später präsentiert Apple nun selbstbewusst seinen eigenen Stift zum stolzen Preis von 99 US-Dollar und der impliziten Botschaft, dass Apple erneut innovative Standards gesetzt hat.
Das komödiantische Potenzial dieser Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität ist nicht nur privaten Scherzbolden aufgefallen. Auch Marken haben sich mit ihren eigenen Apple-Pencil-Varianten zu Wort gemeldet. So präsentiert die Fastfood-Kette Denny's stolz ihren Denny's "Toothpick" mit dem Slogan "Your Mouth working at full potential". Ikea Singapur nutzt die passende Gelegenheit, um seinerseits den "Ikea Pencil" ins rechte Licht zu rücken.
Ikea Singapur antwortet auf die Apple-Präsentation ihres Pencils mit einer eigenen Anzeige
Ikea Singapur antwortet auf die Apple-Präsentation ihres Pencils mit einer eigenen Anzeige (Bild: Ikea Singapur)
Bei diesen Debatten rund um den Apple Pencil gerät allerdings völlig in den Hintergrund, dass Apple mit der Präsentation des neuen Ipad Pro im Wesentlichen eingesteht, das die bisherige ipad-Entwicklung in eine Sackgasse geraten ist. Das iPad hat sich in den meisten Haushalten als Instrument für den passiven Medienkonsum etabliert. Die Notebooks als Arbeitsgerät abzulösen, wie es Steve Jobs ursprünglich plante, ist dem Tablet dagegen nie gelungen. Nun übernimmt Apple bei seinem iPad mit der Bildschirmgröße, zusätzlichen Keyboards und dem Pencil als Bedienhilfe wesentliche Kernelemente von Microsofts Surface Pro. Die Annäherung an den einstigen Erzrivalen geht mittlerweile sogar so weit, dass Apple den Einsatz von Office auf dem iPad Pro von einem Microsoft-Manager erklären ließ. cam
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