Die Apple Watch im Expertencheck Von revolutionär bis klobig

Donnerstag, 11. September 2014
So sieht die Apple Watch aus
So sieht die Apple Watch aus
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Apple Apple Watch Expertencheck Kultmarke iWatch Steve Jobs


Am Dienstagabend präsentierte Apple sein erstes Wearable. Seitdem beherrscht die Apple Watch die Schlagzeilen. Wird es der Kultmarke wie einst im Handy- und im Tabletmarkt gelingen, eine neue Produktkategorie massentauglich zu machen? Hat die Apple Watch das Zeug zum Bestseller? HORIZONT hat sechs führende Design- und Brandingexperten um ihr Urteil gebeten. Zwei gaben die bestmögliche Note - 5 von 5 Sternen.

Sascha Zolnai, Design Director KMS TEAM, 5 Sterne

Sascha Zolnai
Sascha Zolnai (Bild: Foto: KMS TEAM)
Man hat fast ein Dèjà-vu-Erlebnis mit der neuen Apple Watch. Weniger, weil die Uhr im Design oder Interface an bisherige Produkte anschließt, sondern die Macher aus Cupertino einmal mehr im Stande sind, ein Produkt neu zu erfinden. Mit unterschiedlichen Materialien und den vielseitig kombinierbaren Armbändern beweist Apple die Fähigkeit, sich neue Produktbereiche zu erschließen, und es ist erstaunlich, wie wandlungsfähig das Designkonzept der Apple Watch ist. Es ist heute schon absehbar, dass damit der Maßstab für zukünftige Smartwatches definiert wird. Auch wenn Apple´s "Think different" längst nicht mehr im Einsatz ist: Die Apple Watch hält dieses Markenversprechen - und angesichts des absehbaren Erfolges dieser Uhr ist man geneigt, es neu zu formulieren: "Think Apple". Fazit: 5 Sterne.   
Apple Watch
Bild: Foto: Apple

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Lars Kreyenhagen, Geschäftsführer Karl Anders - Büro für Visual Stories, 4 Sterne

Lars Kreyenhagen
Lars Kreyenhagen (Bild: Foto: Karl Anders)
One more thing… da ist sie endlich, die Apple Watch known as iWatch. Das Design gefällt mir (grundsätzlich Uhrenfan) ziemlich gut. Ohne Ende Kombinationsmöglichkeiten, mit denen man Trageanlässe schafft. Natürlich gibt es jede Menge schönerer Uhren, aber eben nicht in der Kategorie der Smartwatches. Ich finde da hat Apple nun die Nase vorn. Dennoch finde ich die Apple Watch auch noch etwas zu klobig und nerdig und freue mich schon heute auf das Update in einem Jahr. Eine noch größere Freude wäre es gewesen, Steve Jobs bei der Präsentation der Apple Watch zu sehen. Nicht nur, weil sie dann im Detail wohl noch feiner ausgearbeitet wäre, sondern auch wegen der Begeisterung bei der Vorstellung. Da hat mir ein bisschen was gefehlt bei Tim Cook. Schade eigentlich, denn bisher war das doch sein größter Coup. Fazit: 4 Sterne

Olaf Schroeter, Head of Creation bei MetaDesign, 3 Sterne

Olaf Schroeter
Olaf Schroeter (Bild: Foto: MetaDesign)
Nach einer langen Zeit, in der Apple ausschließlich wenig spürbare (Software-)Innovationen und Produktupgrades präsentierte, ist die Watch endlich mal wieder eine greifbare Produktinnovation. Das war – um den Innovationsanspruch, den die Marke für sich claimt, einzulösen – eigentlich längst überfällig. Die Watch ist, was Bedienung und Funktionsumfang angeht, auf den ersten Blick keine "Game-Changer-Innovation", bzw. nicht vergleichbar mit dem, was der iPod oder das Telefon mit Touch-Bedienung für seine Zeit bedeutete. Viele Apple-Konkurrenten haben bereits vergleichbare Produkte auf dem Markt. Eines der interessantesten Features ist sicherlich die Bezahlfunktion. Gegebenenfalls wird die Uhr irgendwann das primäre digitale Bezahlsystem der Zukunft sein, allerdings können Handys diese Funktion ebenso gut abdecken. Spannend ist außerdem, dass es das wohl persönlichste Produkt ist, das Apple je gelauncht hat. Dies ist wahrscheinlich unter anderem ein Grund dafür, dass – nach den farbigen iPhones, die mit der 5er-Serie eingeführt wurden – Apple mit der AppleWatch die Tür für das Thema Custumization noch viel weiter aufstößt. In Anbetracht der Produktkategorie ist dies sicherlich kein Fehler, rückt aber stark von der bisherigen Strategie ab, Design-Ikonen selbst "zu setzen". Unterm Strich: schon aufgrund der großen medialen Aufmerksamkeit wird die Watch sicher kein Flop, aber irgendwann rückblickend betrachtet wahrscheinlich nur ein Baustein in der Apple-Produktfamilie sein und keine tragende Säule. Fazit: 3 Sterne

Prof. Dr.h.c. Erik Spiekermann, Edenspiekermann AG: 3 Sterne

Erik Spiekermann
Erik Spiekermann (Bild: Foto: Edenspiekermann )
Die erfreulichste Nachricht ist für mich, dass jemand bei Apple endlich gemerkt hat, wie doof und unpassend Helvetica für ein Interface auf einem kleinen Gerät ist. Apple hat nun 3 Schriften für die Marke: Helvetica für OS, Myriad für das Web und das Packaging und Retail und die neue Schrift (DIN-ähnlich, mit runden Endstrichen, wahrscheinlich bei oder für Apple gemacht) für Apple Watch. Würde mich nicht wundern, wenn das Schule macht auch für andere Produkte. Insgesamt würde ich 3 Sterne vergeben; hauptsächlich für die Idee, die jedoch noch etliche Fragen offenlässt. Ich werde selbst bis zur zweiten Version warten, wenn überhaupt. Ich mag kleine, flache Armbanduhren. Wer eine Rolex oder eine andere dicke Uhr trägt, wird auch mit 38mm und einem kräftigen Gerät klarkommen.

Peter Martin, Geschäftsführer Martin et Karczinski, 4 Sterne

Peter Martin
Peter Martin (Bild: Foto: Martin et Karczinski)
Der Vater von Apples Designer Johnathan Ives war Goldschmied. In seiner Werkstatt baute er einmal im Jahr genau das, was Jony Ives sich wünschte. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses kindliche Staunen, gepaart mit der klassischen Handschrift des Handwerkers und einer intuitiven Funktionalität bis heute den Erfolg der Marke Apple ausmacht. Die Apple Watch setzt diese Story fort. Mich begeistert sie, weil ihr Design zeitlos ist – und sie mich mit einem Variantenreichtum und einer Technik überzeugt, die bislang ungesehen sind. Allein: Die Smartwatch hat Apple nicht erfunden, nur verbessert. Da helfen auch ein neues Betriebssystem, Fassungen in Saphirglas und Armbänder in 18-karätigem Gold nicht. Wer als Marke einmal die Erwartung weckt, mit neuen Produkten die Kommunikation immer wieder zu revolutionieren, muss sein Versprechen leider auch erfüllen. Eine Revolution ist die Apple Watch gewiss nicht. Aber bestimmt war auch nicht alles, was der Vater von Jony Ives einst in der Werkstatt bastelte, absolut bahnbrechender Natur. Sein Sohn soll sich trotzdem sehr darüber gefreut haben.

Heinrich Paravicini, Partner und CCO Mutabor Design, 5 Sterne

Heinrich Paravicini
Heinrich Paravicini (Bild: Mutabor Design)
Ich finde, das ist Apple wieder mal sehr gut gelungen. Sie verstehen einfach wie keine zweite Marke, wie wichtig UX Design (User experience design, d. Redaktion) für den Erfolg ihrer Produkte - und eben auch ihrer Marke - ist und stellen diesen Aspekt auch bei der Apple Watch in den Mittelpunkt. Perfekt zu sehen ist das bei dem Bedienelement des Rändelrades (Crown). Hier wird ein tradiertes Uhren-Interface neu aufgeladen. Und warum? Weil es einfacher und schneller funktioniert als Touch. Was am meisten ins Auge sticht ist aber die Tatsache, dass Apple für seine Watch erstmals eine Vielzahl von Designs, Materialien und Farben zulässt - verglichen mit der restriktiven Designpolitik der letzten Jahre ist dies geradezu eine Revolution. Aber auch hier ist alles wohlüberlegt - und wieder steht UX Design im Mittelpunkt. Eine Uhr ist ein extrem persönliches modisches Accessoire, welches anders getragen und interpretiert wird.Mein Fazit: Apple - the UX Benchmark Brand.
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