Apple Privacy Apple bekennt sich zum Datenschutz - und stichelt gegen Google, Facebook und Co.

Donnerstag, 18. September 2014
Apple startet eine Datenschutz-Offensive
Apple startet eine Datenschutz-Offensive
Foto: Apple
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Apple will sich in Sachen Datenschutz als vertrauenswürdiges Unternehmen positionieren und hat dazu eine eigene Themenseite gestartet. Dort erläutert der iPhone-Hersteller, welche Bemühungen er zum Schutz der persönlichen Daten seiner Kunden unternimmt - und warum die Unabhängigkeit vom Werbegeschäft dabei ein Vorteil ist.
Besucher der Seite apple.com/privacy werden zunächst von einem offenen Brief von Tim Cook begrüßt: "Bei Apple bedeutet uns euer Vertrauen alles", versichert der Apple-CEO den Lesern um anschließend zu erläutern, wie die Datenschutzbemühungen seines Unternehmens aussehen. Neben einer zweistufigen Verschlüsselung der hinter einer Apple-ID gespeicherten Datensätze setze Apple auf Transparenz: Kunden würden von Anfang an darüber aufgeklärt, was mit ihren persönlichen Informationen geschehe. "Wenn wir darum bitten, eure Daten verwenden zu dürfen, dann tun wir das, um für eine bessere Nutzererfahrung zu sorgen", schreibt Cook. Bei seinen Ausführungen verzichtet Cook nicht auf eine - wenn auch implizite - Anspielung auf die werbefinanzierten und für den Nutzer kostenlosen Internet-Dienste wie Google und Facebook. "Vor einigen Jahren merkten Nutzer kostenloser Online-Dienste, dass sie nicht die Kunden sind. Sie sind das Produkt", so Cook. Die Logik dahinter: Gratis-Services bezahlen die User mit ihren Daten - die von den Anbietern wiederum dazu genutzt werden, maßgeschneiderte Werbung auszuspielen und damit ihre wichtigste Erlössäule zu stabilisieren. Das sei bei Apple anders: "Wir verkaufen großartige Produkte. Wir bilden keine Profile aus euren Mail-Vorgängen oder Surfgewohnheiten, um sie an Werbungtreibende zu verkaufen", verspricht Cook. Apples größter Fuß in der Tür der Werbeindustrie, die hauseigene Werbeplattform iAd sei an dieselben Datensschutzbestimmungen genüpft wie alle anderen Produkte auch.

Dieses Versprechen wird auf Apples Privacy-Seite immer wieder widerholt - und mit kleinen Setenhieben auf die Konkurrenz garniert. In der Sektion "Privacy Built in" heißt es etwa in dem Absatz zu iMessage und FaceTime, dass Apple "anders als die Messaging-Dienste anderer Unternehmen" nicht die Kommunikation der Nutzer überwache - das dürfte sich gegen Facebooks Whatsapp richten. Etwas weiter unten im Menüpunkt "Karten" wird Bewegungsprofilen, wie "andere Unternehmen" sie erstellten, eine Absage erteilt. Da unser Geschäft nicht auf Werbung basiert, haben wir daran kein Interesse - und wir könnten es auch gar nicht, selbst wenn wir wollten", heißt es.

Viel Platz räumt Apple überdies dem Thema Überwachung durch Regierungsorgane ein. Man habe nie einer Regierungsosorganisation Zugang zu den eigenen Services und Produkten geschweige denn Zugang zu den Servern gewährt, schreibt Cook. "Und wir werden das auch nie tun." Auf der Seite hat Apple für das Thema eine eigene Sektion geschaffen. Dort wird erklärt, welche Art von Anfragen man erhalten habe und wie man damit umgehe. Die überwältigende Mehrheit der Anfragen komme im Auftrag von Kunden, wie ihr Gerät verloren hätten. Von Regierungsseite seien in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres weniger als 250 Anfragen gekommen.

Hintergrund von Apples Datenschutz-Offensive dürfte sein, dass der US-Konzern neue Produkte gelauncht hat, die zum Teil höchst sensible Bereiche betreffen. Dazu gehören der neue Bezahldienst Apple Pay, mit dem Nutzer künftig kontaktlos bezahlen können, und die Apple Watch, die unter anderem zum persönlichen Fitness-Coach der Nutzer werden soll. Letzters wurde soeben von niemand anderem als Internet-Guru Sascha Lobo kritisiert. Auf den Wiener Medientagen sagte er: "Aber ich möchte eine solche Uhr benutzen können, weil ich sie für einen tolle Erfindung halte, ohne Angst zu haben, dass meine Krankenkasse drei Tage später sagt: 'Oh, Sie sind aber ganz schön träge. Wir erhöhen den Tarif mal.'" ire
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