Anglizismen im Netz Infineon und BMW lieben es englisch, VW und Beiersdorf kommunizieren deutsch

Dienstag, 14. Februar 2017
Die zweitmeisten Anglizismen finden sich bei der BMW Group - fast jedes dritte Wort
Die zweitmeisten Anglizismen finden sich bei der BMW Group - fast jedes dritte Wort
© bmwgroup.de

Welchen Einfluss hat die Online- und Social-Media-Kommunikation auf die Selbstdarstellung deutscher Unternehmen? Dieser Frage ist die Agentur Wortwahl nachgegangen und hat die Internet-Präsenzen der 30 Dax-Konzerne auf die Verwendung von Anglizismen auf der Startseite untersucht. Als besonders englisch-lastig erweisen sich dabei die Websites von Infineon, der BMW Group und Linde, als verliebt in die deutsche Sprache können Beiersdorf, Thyssen Krupp und VW gelten.
Für das Ranking setzten die Autoren um Wortwahl-Chef Murtaza Akbar die Zahl der Anglizismen in Relation zur Gesamtzahl der Wörter auf den Startseiten der Unternehmen. Die höchste Quote weist dabei das Technologieunternehmen Infineon auf: Knapp ein Drittel der Wörter entstammen der englischen Sprache (78 von 245 Wörtern). Auch die BMW Group kommt auf eine Zahl von knapp über 30 Prozent (76 von 251), bei der Linde Group sind es 29,9 Prozent (84 von 281). "Unternehmen müssen den Spagat zwischen Online-, Social-Media-, internationaler und deutscher Kommunikation schaffen. Das kann zu seltsamen Formulierungen führen", sagt Akbar. Ein Extrembeispiel von BMW: "Highlight der Iconic Impulses BMW Group Experience in London".

Anteil von Anglizismen auf den Homepages der 30 Dax-Konzerne

Quelle: (Wortwahl)
Obwohl Englisch seit einiger Zeit im VW-Konzern offizielle Arbeitssprache ist, rangiert der Autobauer im Tableau weit hinten: Dort fanden die Wortwahl-Experten im Erhebungszeitraum Ende Dezember 2016 bis Mitte Januar 2017 lediglich 53 englische Wörter oder Anglizismen auf der Startseite, darunter vor allem Begriffe wie "Social Media", "Service" oder "Newsletter". Das bedeutet einen Wert von 6,6 Prozent. Auch Thyssen Krupp (7 Prozent), Beiersdorf (7,1) und Eon (7,4) setzen eher auf deutsche Begriffe. "Englisch ist für deutsche Konzerne Standard. Auch wenn es bei BMW viel zu viele Anglizismen und englische Begriffe sind, müssen wir uns keine Sorgen machen", sagt Akbar.
In der Erhebung weist der Agenturgründer - Wortwahl bietet Beratungen in der Unternehmens- und Online-Kommunikation an - auch auf einen Wandel in der Ansprache hin, die er im Bedeutungszuwachs von Social-Media-Kommunikation sieht, etwa bei der Kundenansprache. Für interessant hält er die Frage, wie stark der Einfluss der jungen Generation auf die Kommunikation der Unternehmen ist und andersherum ist: "Wir hatten Studenten gebeten in Gruppen Internetseiten für Unternehmen zu konzipieren und dazu auch Slogans zu entwickeln. Mehr als 50 Prozent der Slogans waren in Englisch, obwohl es keine Vorgaben gab. Das ist kein Zufall, sondern seit längerem mehr als ein Trend." fam
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