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So inszeniert die AfD Angela Merkel in ihren Video-Ads
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Angebliche "Sabotage" durch Google Warum die AfD ihre Video-Ads jetzt auf Facebook schaltet

So inszeniert die AfD Angela Merkel in ihren Video-Ads
Das Verhältnis der AfD zu den Medien gilt traditionell als angespannt. Während sich zuletzt vor allem die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ARD und ZDF mit Vorwürfen seitens der Partei konfrontiert sahen, legt sich die AfD jetzt sogar mit einem großen US-Player an - Google. Der Vorwurf wiegt schwer: Die AfD beschuldigt den US-Konzern, die Werbekampagne der Partei zu sabotieren. Auf diese Weise wolle Google den Wahlkampf beeinflussen - zulasten der AfD, heißt es. Google weist den Vorwurf gegenüber HORIZONT Online entschieden zurück.
von Marco Saal, Mittwoch, 20. September 2017
Bei dem aktuellen Streit geht es um die Online-Kampagne, mit der die AfD eine Anti-Merkel-Website promoten will. Der Name "Merkel, die Eidbrecherin" ist bei der von der US-Agentur Harris Media gestalteten Website Programm. Die Bundeskanzlerin und CDU-Chefin wird dort in einem düsteren Umfeld mit einem stark flackernden Schwarz-Weiß-Porträt abgebildet und als "Eidbrecherin" diffamiert. Zudem wird behauptet, Merkel sei mit ihrer Flüchtlingspolitik für die Opfer der Terroranschläge in Deutschland verantwortlich.  Die AfD wollte die Website im Wahlkampf-Endspurt offenbar noch einmal nutzen, um Stimmung gegen die Merkel-Regierung zu machen und ihre Wählerschaft zu mobilisieren. Doch wie sich herausstellte, hatten die AfD und ihr Dienstleister Harris Media die Rechnung ohne Google gemacht. Denn die Video- und Display-Ads, mit denen die AfD die Website promoten wollte, wurden kurzerhand abgelehnt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Lediglich die Search-Ads tauchen inzwischen in der Google-Suche auf, wenn man Suchbegriffe wie "Angela Merkel" oder "Bundeskanzlerin Merkel" eingibt. 

Die AfD-Search-Ad wird inzwischen ind er Google-Suche angezeigt
Die AfD-Search-Ad wird inzwischen ind er Google-Suche angezeigt (Bild: dfv)
Google begründete die Ablehnung der Anzeigen gegenüber der AfD zunächst mit technischen Problemen. Als diese ausgeräumt waren, wurden inhaltliche Gründe angeführt. In einer Mail von Google an die AfD, die HORIZONT Online vorliegt, wird die Ablehnung der Anzeigen unter anderem damit begründet, dass die Website den Verbraucher in die Irre führen könne. Spätestens als plötzlich von systembedingten Problemen die Rede war, witterten die AfD-Werber einen Boykott. Thor Kunkel, Chef der Schweizer Agentur Kunkelbakker und als Creative Strategist für die AfD-Kampagne verantwortlich, räumt gegenüber HORIZONT Online zwar ein, dass derlei Beanstandungen nichts Ungewöhnliches sind. Normalerweise ließen sich solche Probleme allerdings innerhalb von 24 Stunden lösen. Die Probleme mit Google hätten sich dagegen über 10 Tage hingezogen. Vom Vorwurf der Sabotage, den Kunkel zuerst gegenüber Spiegel Online äußerte, rückt er entsprechend auch nicht ab.
Wittert Sabotage: Thor Kunkel
Wittert Sabotage: Thor Kunkel (Bild: AfD)
Google weist die Anschuldigung indes weit von sich. "Der Vorwurf einer politischen Voreingenommenheit entbehrt jeder Grundlage", sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber HORIZONT Online. Dem Sprecher zufolge können alle in Deutschland zugelassenen politischen Parteien auf Google Anzeigen schalten, solange sie die Werbe-Richtlinien des Konzerns befolgen. "Wir setzen diese Richtlinien konsequent durch, alle Anzeigen durchlaufen ein automatisiertes Prüfverfahren", erklärt der Sprecher. Dass im Zuge dieses Verfahrens Werbeanzeigen durch Google auch mal abgelehnt werden, ist nichts Ungewöhnliches. Nach Informationen von HORIZONT Online war das allein im Jahr 2016 weltweit bei 1,5 Milliarden Anzeigen der Fall. 

Den von der AfD geäußerten Vorwurf, dass Google gewissermaßen auf Zeit spiele und die Kampagne der AfD besonders ausführlich und lang prüfe, will Google ebenfalls nicht auf sich sitzen lassen. "Bei Grenzfällen kann die Prüfung länger in Anspruch nehmen", sagt der Sprecher. Was Google genau unter solchen Grenzfällen versteht, dazu äußert sich der Sprecher nicht. Es ist aber naheliegend, dass Werbeanzeigen beispielsweise bei vermehrten User-Beschwerden auf Eis gelegt und von Googles Adwords-Team etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Bei dem düsteren Video-Ad, das HORIZONT Online vorliegt, wäre das zumindest keine Überraschung. 

Die AfD hat inzwischen aus dem Streit Konsenquenzen gezogen. 
"Wir schalten unsere Video-Anzeigen und Display-Ads inzwischen auf Facebook, ein Verlust, den Google aber leicht verschmerzen kann", sagt Kunkel. Dabei geht es um einen fünfstelligen Etat. Bei Facebook hat man mit den Video-Ads offenbar keine Probleme. Dem Vernehmen nach sieht der Konzern keine Anzeichen dafür, dass die Ads gegen die Werberichtlinien des Unternehmens verstoßen. mas

Update, 18:45 Uhr: Laut AfD wurden die Video- und Display-Ads nun doch von Google zugelassen. Geschaltet werden sie aber nicht, da das "Budget schon umdisponiert" worden sei.
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