"Anders als du denkst" Der peinliche Imagefilm von Mein Niedersachsen

Montag, 13. April 2015
Nicht nur dieser junge Protagonist guckt verdutzt - auch der Zuseher ist es
Nicht nur dieser junge Protagonist guckt verdutzt - auch der Zuseher ist es
Foto: Screenshot Youtube
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Niedersachsen Carolin Ruh Twitter


"Urlaub in Niedersachsen. Anders als du denkst" - unter diesem Motto steht ein neuer Imagefilm, der das Bundesland als attraktives Reiseziel anpreisen soll. Und tatsächlich: Der dreiminütige Musical-Clip ist anders, als es der Zuschauer erwartet. Nur heißt das in diesem Fall nichts Gutes.
In dem Spot, den Tourismus Marketing Niedersachsen (TMN) über die sozialen Netzwerke streut, ist eine vierköpfige Familie zu sehen, die auf einem beschaulichen Hof in Niedersachsen ankommt, um dort ihren Urlaub zu verbringen. Allerdings scheinen die Protagonisten zunächst nicht wirklich angetan von ihrem Ferienort zu sein - ehe sie von den Einheimischen auf eine musikalische Abenteuerreise durch die norddeutsche Natur entführt werden. So weit, so gut, sollte man meinen. Aber was folgt ist eine Aneinanderreihung von Absurditäten, die den Zuschauer entweder zum Lachen bringt oder einfach nur ratlos darüber macht, was Hexen, leblose Fische, die singen und gruselig anmutende Menschen-Schafe eigentlich mit Niedersachsen zu tun haben. Denn - und das ist ein weiteres Problem des Films - es wird für eine Standortkampagne viel zu wenig von dem gezeigt, was den Reiz des Bundeslandes als Reiseziel ausmacht. Zu uneindeutig ist die satirisch angehauchte Botschaft, zu austauschbar die wenigen Einstellungen von Flachland, Stränden und Nordsee.

Laut Carolin Ruh, Geschäftsführerin bei TMN, hat man gemeinsam mit der verantwortlichen Filmagentur Day For Night aus Hannover gezielt diesen Ansatz gewählt: "Die Idee, keine typischen Landschaften aus Niedersachsen zu zeigen, sondern mutig mit den Klischees zu arbeiten, hat uns überzeugt. Das ganze verpackt als Musikfilm mit Humor und Augenzwinkern zeigt Niedersachsen einfach mal ganz anders, als man es erwartet."

Doch wird in diesem Fall mal wieder klar: Das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint. Auch wenn "Urlaub in Niedersachen. Anders als du denkst" jüngst den Tourismus-Filmpreis "Das goldene Stadttor" gewonnen hat - die Intention des Films kommt bei den Zuschauern ganz offensichtlich nicht an, wie vor allem die Reaktionen auf Twitter zeigen (siehe unten).

Aber auch schlechte PR, die nach hinten losgeht, hat ja oft auch ihr Gutes: Zumindest hat die Kampagne nach wenigen Tagen schon mehr überregionale Aufmerksamkeit erregt, als dass die Verantwortlichen erwartet haben dürften. tt
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