Amazon Go So gekonnt veralbert Monoprix die Konkurrenz aus Seattle

Donnerstag, 05. Januar 2017
Monoprix liefert eine gekonnte Persiflage des Amazon-Go-Premierenvideos
Monoprix liefert eine gekonnte Persiflage des Amazon-Go-Premierenvideos
© Monoprix
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Amazon Monoprix Ladenkonzept


Nachdem Amazon sein Ladenkonzept Amazon Go präsentierte, sagte so mancher schon den Untergang des klassischen Handels voraus. Der französische Händler Monoprix zeigt sich davon unbeeindruckt und nimmt den Online-Konkurrenten mit einem Video auf die Schippe. Die Botschaft des Clips ist unmissverständlich: Das Einkaufen ohne Warteschlange an der Kasse, das Amazon als revolutionäre Innovation verkauft, ist mit Monoprix's Lieferservice schon längst standardmäßig zu haben.
Der von der Agentur Rosapark kreierte Film folgt dabei einer simplen Strategie: Er ist in seinem Storytelling eine fast perfekte Nacherzählung von Amazons Projektvideo über Amazon Go. Und selbst das Spiel mit den Tech-Buzzwords beherrschen die Franzosen ähnlich elegant wie der amerikanische Online-Herausforderer: Wo Amazon über Computervision und Sensor Fusion schwadroniert, erklärt Monoprix seinen eigenen Ansatz als "Resultat der Monoprix DNS", der mit "Human Intelligence" angetrieben wird. Tatsächlich ist der Lieferservice des französischen Händlers ein bemerkenswertes Beispiel dafür, dass innovative Lösungen nicht zwingend mit einem hohen technologischen Aufwand verbunden sein müssen. Teilnehmer des Services Livraison à domicile + können ihren gefüllten Einkaufskorb einfach am Ausgang ohne zu bezahlen abgeben. Sie erhalten ihre Waren dann innerhalb weniger Stunden nach Hause geliefert, wo sie diese dann bei Empfang bezahlen.

Ganz so einfach wie im Video geschildert dürfte der Ablauf in der Praxis allerdings nicht sein, da die teilnehmenden Kunden sich auch bei Monoprix registrieren müssen. Allerdings hat der französische Händler sein System schon im Alltagsbetrieb etabliert, während Amazon seine Technologie derzeit nur in Seattle von seinen eigenen Angestellten im Probebetrieb testen lässt.

Ein unmittelbares Vertriebsziel dürfte Monoprix mit diesem augenzwinkernden Gruß nach Seattle kaum verfolgen, da Amazon Go derzeit noch keine reale Konkurrenz darstellt. Vielmehr lässt sich das Video als PR-Maßnahme interpretieren, um die Selbstdarstellung Amazons als Innovationstreiber des stationären Handels so früh wie möglich zu stören. Denn langfristig muss der etablierte Handel daran interessiert sein, dass sich nicht die Wahrnehmung verfestigt, Amazon habe das modernste und damit das interessanteste Einkaufserlebnis zu bieten. Ein solches Image hätte im Ernstfall eine Welle von Testkäufern zur Folge. Und dass Amazon aus Testkäufern regelmäßige Kunden machen kann, hat der Händler schon online überzeugend bewiesen. cam
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