Allianz-Vorstand Bernd Heinemann "Alles nur digital zu machen wäre ein Riesenfehler"

Freitag, 09. September 2016
Bernd Heinemann, 50, arbeitet seit 2007 für den Münchner Versicherungsriesen
Bernd Heinemann, 50, arbeitet seit 2007 für den Münchner Versicherungsriesen
Foto: Allianz
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Digitalisierung Allianz Bernd Heinemann


Die Allianz soll digitaler und schneller werden. Und effektiver, so wie Bernd Heinemann, Vorstand Marktmanagement bei der Allianz Deutschland, es vorlebt. Eine Stunde hat er Zeit für das Gespräch in der Zentrale in Unterföhring. Dann wartet auf den studierten Physiker der nächste Termin. Im Interview spricht er unter anderem über die großen Herausforderungen der Digitalisierung und die Konkurrenz aus dem Netz.

Bernd Heinemann über ...

...die Notwendigkeit, digitaler zu werden: "Allgemein gesprochen müssen wir schneller und agiler werden. Wir müssen beispielsweise uns so organisieren, dass eine Produktentwicklung nicht mehr drei Jahre dauert. Und unsere Prozesse einfach halten. Wir müssen aber auch in der Kommunikation mit den Kunden andere Wege gehen. Nehmen Sie die Terminvereinbarung beim Allianz-Vertreter. Früher mussten Sie anrufen, eine Mail schicken oder vorbeigehen. Heute nutzen wir auch Whatsapp. Aktuell testen wir mit 200 Agenturen, dass Kunden im Kalender des Vertreters einen Termin buchen können - direkt über das Netz.
...die Grenzen der Digitalisierung: "Mir fällt wenig ein, bei dem wir im Kontakt zum Kunden nicht auch digital sein könnten. Wir bearbeiten eine Vielzahl von Themen digital, beispielsweise in der Beratung, den Ansprachekonzepten und Interaktionsmöglichkeiten bis hin zur Schadensmeldung. Wir müssen dabei unsere Kunden aber so bedienen, wie diese das brauchen."

...die Fallstricke bei der Transformation: "Man darf nicht der Versuchung erliegen: Wir richten uns neu aus, also machen wir alles digital. Da würden wir einen Riesenfehler machen. Wenn ich die Offline-Kunden vernachlässigen würde, die bei uns immer noch so 15 bis 20 Prozent ausmachen, riskieren wir, eine historisch gewachsene Gruppe zu verlieren. Diese verweigern sich nicht dem Netz, sie wollen aber ihre Policen bei einem Berater persönlich abschließen. Deswegen muss die Allianz rein digital und offline anbieten. Und die Mischung, also Ropo, müssen wir besonders perfekt machen, weil wir sonst bei den Übergängen zwischen on- und offline schnell Kunden verlieren können."

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...die Konkurrenz aus dem Netz: "Wir haben keine Angst vor Google. Das Unternehmen ist für uns eher Partner und kein Wettbewerber. Bei den Fintechs gibt es einige, die bunt, modern und laut auftreten, die aber in Wirklichkeit oft nichts anderes als ein weiteres Maklerportal sind, über das etablierte Marktteilnehmer Versicherungen verkaufen – also ein weiterer Vertriebskanal. Trotzdem - die digitale Welt bietet viele Chancen und natürlich auch Risiken. Deshalb sind wir hier wachsam und beobachten, an welchen Stellen neue Geschäftsmodelle entstehen könnten. Zurücklehnen wäre definitiv ein Fehler."
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