Alfa Romeo Wie Fiat-Chrysler die Traditionsmarke wieder zum Kult machen will

Freitag, 09. Mai 2014
Die Marke Alfa Romeo soll in neuem Glanz erstrahlen
Die Marke Alfa Romeo soll in neuem Glanz erstrahlen

Alfisti hatten zuletzt wenig Grund zum Träumen. Mit Mito und Giulietta hatte die italienische Sportwagenmarke für ihre Fans nur einen Klein- und Kompaktwagen im Angebot, der Marktanteil in Deutschland dümpelte mit 3625 Neuzulassungen 2013 bei 1 Promille. Einzig das zweisitzige Sportcoupé 4C glänzte als Hoffnungsschimmer in der Nische. Nun verspricht Sergio Marchionne, Chef des Fiat-Chrysler-Konzerns FCA, mit einem Fünfjahresplan eine radikale Wende. Mit Investionen in Höhe von 5 Milliarden Euro soll die Kultmarke im Premiumsegment neu angreifen.
Acht neue Modelle sollen ab Ende 2015 bis 2018 die Absatzzahlen von weltweit 74.000 im Vorjahr auf dann 400.000 emporschnellen lassen. Die Blickrichtung geht dabei eindeutig Richtung Premium, weshalb die derzeitigen Statthalter Mito und Giulietta wohl keine Nachfolger mehr haben werden. Ende 2015 wird die Mittelklasselimousine Giulia als Wettbewerber von 3er BMW und Mercedes C-Klasse die Aufholjagd starten, es folgen laut Modellplan eine Kombiversion, zwei SUVs, ein Oberklassefahrzeug, zwei Kompaktmodelle und ein Cabrio.

Um die Ernsthaftigkeit der Auftstiegsambitionen zu untermauern, grenzt sich Alfa künftig von den Volumenmarken Fiat und Chrysler ab und orientiert sich technisch stärker an den Luxusmarken des Konzerns, Maserati und Ferrari.

Nicht umsonst hat Harald Wester, bisheriger Konzern-Technikchef und Geschäftsführer von Maserati, auch die Federführung für den Alfa-Romeo-Neustart. Mit einem vom sonstigen Konzern abgeschirmten Team von 200 und künftig 600 handverlesenen Mitarbeitern sind die Arbeiten an der Premiumzukunft bereits in vollem Gange.

Bei seiner Vorstellung der Alfa-Pläne im Rahmen der FCA-Zukunftspräsentation in Detroit spart Wester denn auch nicht mit Kritik am bisherigen Kurs und attestiert den deutschen Konkurrenten inzwischen einen phänomenalen Vorsprung. Um diesen wettzumachen, identifiziert Wester als künftige Kernelemente der Kultmarke unter anderem fortschrittliche, leistungsstarke Motoren, einzigartige technische Lösungen, günstiges Gewichts-Leistungsverhältnis sowie insbesondere ausdrucksstarkes italienisches Design.

So könnte das neue Modell Alfa Romeo Giulia aussehen
So könnte das neue Modell Alfa Romeo Giulia aussehen
Marchionne hat nicht nur mit Alfa Großes vor, sondern will das Absatzvolumen aller Marken des FCA-Konzerns mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 55 Milliarden Euro von derzeit 4,4 Millionen auf 7 Millionen 2018 pushen. Jeep beispielsweise soll mit neuen Modellen und Absatzmärkten 2013 1,9 Millionen Fahrzeuge jährlich verkaufen (2013: 732.000).

Von der Börse wurde der Fünfjahresplan Marchionnes mit Zurückhaltung aufgenommen, die Aktie gab zunächst um 12 Prozent nach. Auch auf Seiten des deutschen Fiat-Händlerverbandes herrscht eher Skepsis: Volumen bekommt man nicht auf Kommando, sagte Präsident Wilfried Blöbaum und erinnert insbesondere bei Alfa an ähnliche Versprechungen aus den Jahren 2006 und 2010, die in keiner Weise erfüllt wurden. Andererseits zehrt die Marke nach wie vor von hohen Imagewerten und steht in dieser Hinsicht weitaus besser da als Premiumaspiranten wie Lexus und Infinity. joz

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