Alete, Kellogg's & Co Wieso Foodwatch nach zwei Jahren Pause wieder einen "Goldenen Windbeutel" verleiht

Montag, 23. Oktober 2017
Das sind die "Nominierten" für den Goldener Windbeutel 2017
Das sind die "Nominierten" für den Goldener Windbeutel 2017
© Foodwatch

Es ist ein Preis, den niemand gerne gewinnt - und der von den "Gewinnern" daher auch in der Regel abgelehnt wird. Zwei Jahre pausierte der Verbraucherschutzverein Foodwatch mit seiner Suche nach der "dreistesten Werbelüge des Jahres", 2017 verleiht die NGO nun wieder ihren "Goldenen Windbeutel". HORIZONT Online hat nach den Gründen des Comebacks gefragt. 2017 nominiert für den durchaus nicht unumstrittenen Preis sind Alete, Bauer, Unilever, Kellogg's und Continental Foods.
2015 und 2016 fiel die Abstimmung aus, weil die deutsche Foodwatch-Dependance in ihrer Arbeit andere Schwerpunkte setzte - etwa die umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP und CETA - und nach eigener Aussage "schweren Herzens" auf die Verleihung ihres Negativpreises verzichtete. Letzter regulärer Preisträger war 2014 Nestlé für das Produkt Alete Mahlzeit zum Trinken. Ohne Votum ging der Goldene Windbeutel im Jahr darauf an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), weil sein Bundesland über die Landesbank LBBW inzwischen mittelbarer Teilhaber von Alete ist. Nestlé hatte die Marke Ende 2014 an ein Konsortium verkauft.

Alle bisherigen "Goldenen Windbeutel"

  • 2015: Winfried Kretschmann
  • 2014: Nestlé Alete Mahlzeit zum Trinken
  • 2013: Wild Capri Sonne
  • 2012: Hipp Instant Früchtetee
  • 2011: Ferrero Mlchschnitte
  • 2010: Zott Monte Drink
  • 2009: Danone Actimel
Nun also das Comeback. Der Grund: Man habe sich angeschaut, ob das Thema der "dreisten Werbelüge" immer noch virulent ist und hätte gleich "hunderte Produkte" nominieren können, so ein Foodwatch-Sprecher auf Nachfrage von HORIZONT Online. "Verbrauchertäuschung ist an der Tagesordnung - und nach wie vor ganz legal", sagt Sophie Unger, Foodwatch-"Wahlleiterin" für den Goldenen Windbeutel 2017. "Die Bundesregierung hat zwar schon vor Jahren das Problem anerkannt, aber wirksame Regeln gegen Etikettenschwindel gibt es bis heute nicht. Die Lebensmittelindustrie kann weiter tricksen und täuschen. Die Wahl zum Goldenen Windbeutel ist daher wichtiger denn je."

Diese Produkte hat Foodwatch nominiert:

1) Alete: Kinderkeks

Der Babynahrungshersteller Alete verspreche Eltern auf der Packung, seine Kinderkekse seien "babygerecht" und ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen" geeignet, heißt es von Foodwatch: "Doch mit 25 Prozent Zuckeranteil sind die Kinderkekse zuckriger als beispielsweise Leibniz Butterkekse." Sie seien damit alles andere als babygerecht, sondern förderten Karies.

2) Bauer: Protein Drink Vanille

Bauer vermarkte seine Protein-Milch als sportliches Getränk für eine "fitnessorientierte und alltagsaktive Zielgruppe", prangert Foodwatch an: "Das Produkt kostet etwa 50 Prozent mehr als andere Vanillemilch, dabei ist das zugesetzte Protein völlig überflüssig und nur ein profitabler Marketing-Trend."

3) Continental Foods: Lacroix Gebundene Ochsenschwanz Suppe

Continental Foods bezeichnet seine Dosensuppe  als "kleinen kulinarischen Höhepunkt des Tages" und hebt seine "Lacroix Qualitätsphilosophie" hervor. Doch eines suche man in der Ochsenschwanzsuppe vergeblich, so Foodwatch: Ochsenschwanz. Auf eine Anfrage hin begründete das Unternehmen mit "Qualitätsgründen".

4) Kellogg's: Urlegenden Müsli Quinoa, Apfel, Cranberries & Chia-Samen

Das mit großem Werbeaufwand lancierte Müsli komme urtümlich daher, werbe mit "Urkorn", beinhalte davon aber nur 2,5 Prozent, so Foodwatch: "Im Kleingedruckten versteckt: Das 'Frühstück für Legenden' enthält neben 20 Prozent Zucker auch Palmöl, Aroma und Zusatzstoffe - alles andere als ursprünglich."

5) Unilever: Becel Omega-3 Pflanzenöl

Das Becel Omega-3-Öl rühme sich auf dem Etikett damit, "3x mehr Omega-3 als Olivenöl" zu enthalten. "Was Hersteller Unilever unerwähnt lässt: Der Vergleich mit Olivenöl ist irreführend, dieses enthält naturgemäß nicht besonders viel Omega-3", begründet Foodwatch die Nominierung. Im Vorfeld der Wahl hat Foodwatch alle Hersteller um Stellungnahme gebeten. Nur drei der fünf Unternehmen aber lieferten Anworten, Kellogg's und Unilever verweigerten die Auskunft. Abstimmen können Verbraucher online bis zum 26. November. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen plant Foodwatch die Überreichung des Negativpreises am Firmensitz - der bislang letzte Preisträger Nestlé lehnte 2014 die "Verleihung" allerdings ab. fam
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