Aldi Süd So will der Discounter mit seinem Frische-Programm den Wahlkampf aufmischen

Mittwoch, 30. August 2017
Aldi Süd geht mit Kandidaten ins renmnen, deren Gesichter man definitiv nicht vergisst
Aldi Süd geht mit Kandidaten ins renmnen, deren Gesichter man definitiv nicht vergisst
© Aldi Süd

Ab sofort ist der Bundestagswahlkampf ein bisschen weniger langweilig geworden. Denn unter dem Claim "Aldinativlos" schaltet sich das Kandidaten-Team von Aldi Süd mit einem Frische-Programm in die Debatte ein. Die von der Agentur Oliver Voss kreierte Out-of-Home- und Digitalkampagne will zwar keine ernsthaften politischen Botschaften verbreiten, wird aber bei der Kontext-optimierten Planung Maßstäbe setzen: Wo immer die klassische Parteiwerbung zu sehen ist, will Aldi Süd auch sein Frischeprogramm zum Thema machen.

Die Slogans klingen nach einer der vielen kleinen Randparteien: "Wählt mich, ich bin keine Gurke", "Die Ernte ist sicher", "Salat statt Bürokrat". Doch die Kandidaten hinter dem Frische-Programm sind echte Früchtchen. Köpfe, die im Stil des manieristischen Malers Arcimboldo aus Lebensmitteln komponiert wurden, tragen Namen wie Oliver Gamüs und sollen als nicht ganz seriöse Kandidaten ab 30. August für die Frische- und Sortimentskompetenz von Aldi Süd werben. Der Auftritt wird sicher nicht die einzige Kampagne bleiben, die den angelaufenen Wahlkampf als Plattform für die eigene Markenbotschaft nutzt. Aber die "Aldinativlos"-Kampagne wird sowohl in ihrer Größe als auch in der mediaplanerisch investierten Intelligenz zweifellos Maßstäbe setzen. Denn Sandra Sibylle Schoofs, Marketing Director Aldi Süd, will mit dem Auftritt nicht einfach nur einen kreativen Akzent setzen, sondern die breite Masse der Aldi-Zielgruppe erreichen: "Ich bin kein Freund von Kreativideen, die nur existieren, um Kreativpreise zu gewinnen. Wenn wir uns für eine mutige Idee entscheiden, dann soll sie auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden."

Um diese breite Wahrnehmung zu garantieren, hat Spezialmittler Jost von Brandis bei der Planung der Out-of-Home-Kampagne versucht, den realen Standorten der echten Wahlwerbung so nahe wie nur irgend möglich zu kommen. Aldi Süd wirbt zwar auf klassischen Plakatformaten wie Citylight, Megalight und digitalen Infoscreens, aber das Frische-Programm ist auch an Laternenpfosten und auf Grünflächen zu sehen – wo sich auch die Parteiwerbung zur Bundestagswahl bündelt. Und Schoofs beschränkt sich bei der Kontextoptimierung nicht auf die Platzierung: "Dabei orientieren wir uns auch inhaltlich an der echten Parteienwerbung und reagieren mit humorvollen Sprüchen."
Aldi Süd geht mit Kandidaten ins Rennen, deren Gesichter man definitiv nicht vergisst
Aldi Süd geht mit Kandidaten ins Rennen, deren Gesichter man definitiv nicht vergisst (© Aldi Süd)
Diese Einbindung der kreativen Botschaft in ihren Platzierungskontext ist eigentlich ein Merkmal der rein digitalen Programmatic Creativity. Ob Oliver Voss und Jost von Brandis die intendierte intelligente Aussteuerung auch bei einer Plakatkampagne gelingt, die flächendeckend in ganz Südwestdeutschland zu sehen ist, werden andere Agenturen aufmerksam studieren.

Eines ist der Marketing-Managerin sehr wichtig: "Unsere Kampagne soll keinerlei politische oder gesellschaftliche Aussage treffen. Das ist definitiv nicht unsere Intention." Schoofs hofft jedoch durchaus, dass die Kampagne für Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken sorgen wird. So sind nicht zuletzt drei Sonderinstallationen in den Bahnhöfen von Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart geplant, wo sich Passanten mit Masken der Frischepartei-Kandidaten fotografieren lassen können und die Bilder anschließend teilen sollen. Auf der Kampagnen-Website Aldinativlos.de ist eine eigene Social Wall eingerichtet, um diesen Input zu bündeln. Display-Werbung soll für weitere Aufmerksamkeit sorgen.

Auch die liebe LEH-Konkurrenz ist herzlich eingeladen, in den Wahlkampf einzusteigen, wie die Marketing-Managerin auf Nachfrage bestätigt: "Natürlich sind wir auf einen solchen Fall vorbereitet und würden entsprechend reagieren. Die Auseinandersetzung mit dem Wettbewerb macht eine solche Kampagne eher noch interessanter." Das ist jetzt nicht als übergroße Liebe zum Wettbewerb zu verstehen, sondern Kalkül. Aldi Süd will sich als humorvolle und offene Marke präsentieren. Ein witziger Schlagabtausch mit Penny oder Lidl auf Facebook würde zu dieser Positionierung perfekt passen. cam

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