Modenschau beim Billigheimer So feierte Aldi die Kooperation mit Jette Joop

Mittwoch, 06. April 2016
Aldis Fashionflair zwischen Gemüse und Getränken
Aldis Fashionflair zwischen Gemüse und Getränken
Foto: HORIZONT
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Offensive Werbung ist eigentlich nicht die Sache von Aldi. Aber für den Launch der neuen Modekooperation mit Jette Joop packte Aldi Süd die ganz schweren Geschütze aus. Vom über Social Media vermarkteten Live-Event bis hin zur Hochglanzwerbung in der "Bunten" war alles am Start. Der Aufwand kommt nicht von ungefähr: Der Lebensmittel-Discounter hofft auf einen völlig neuen Zugang zu seiner weiblichen Kundschaft.
Zwar startet der Verkauf der 27-teiligen Kollektion erst am 11. April, doch das eigentliche Startsignal lieferte Aldi schon diesen Dienstag auf der Düsseldorfer Kö mit der ersten Modenschau in einer Discounter-Filiale. Selbst Moderator Alexander Mazza hatte Mühe, seine Überrschung über die kuriose Konstellation in Worte zu fassen: "Wenn mir jemand noch vor wenigen Wochen gesagt hätte, dass ich in einer Aldi-Filale auf dem Catwalk moderieren werde, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt. Wir stehen hier zwischen Getränken, Gemüse und Tiefkühlkost, um exklusive Designmode zu sehen!"
Die Warteschlange vor dem Einlass zeigt, dass die Modenschau als PR-Coup funktioniert hat
Die Warteschlange vor dem Einlass zeigt, dass die Modenschau als PR-Coup funktioniert hat (Bild: HORIZONT)
Tatsächlich verriet allein schon die Gästeliste, dass der Discounter hier Neuland betritt. Denn Vertreter der Mühlheimer Geschäftsführung sowie der österreichischen Aldi-Tochter Hofer hätten sich in Düsseldorf wohl kaum sehen lassen, wenn es nur um eine normale saisonale Sortimentsaktion gegangen wäre. Unter den 200 Gästen waren aber auch 100 Aldi-Süd-Fans, die sich im Rahmen einer Facebook-Aktion erfolgreich um ein Ticket beworben hatten. Um sicher zu stellen, dass es sich bei den mehrheitlich weiblichen Kandidaten um kommunikationsaffine digitale Influencer handelte, musste jeder Bewerber seinen Teilnahmewunsch ausführlich begründen.

Die Models, Designerin Jette Joop (2.v.l.) sowie Aldi-Managerin Kim Aline Suckow (3.v.r.)
Die Models, Designerin Jette Joop (2.v.l.) sowie Aldi-Managerin Kim Aline Suckow (3.v.r.) (Bild: Aldi Süd)
Die große Hoffnung des Konzerns liegt dabei auf Designerin Jette Joop und der von ihr entworfenen "Blue Motion"-Kollektion. Joop wird beweisen müssen, dass das von ihr gestaltete Sortiment mehr langfristiges Potenzial hat als seinerzeit der Auftritt von Harald Glööckler, der von 2011 bis 2013 Schmuckkollektionen für Lidl entwarf.

Leicht wird das nicht. Denn Aldi Süd hat wie alle Discounter ein Präsentationsproblem bei hochwertiger Ware. Während sich hochwertige Elektronik dank ihrer normierten Verpackung ohne relativen Imageverlust auch in einer frugalen Discount-Umgebung vermarkten lässt, ist ein Wühltisch-Ambiente für die Qualtitätswahrnehmung hochwertiger Designstücke tödlich. Und selbst wenn sich Aldi Süd entschließen würde, die Stücke aufwendig auf Kleiderbügeln zu präsentieren, müsste der Discounter für die nötige Personalstärke sorgen, damit die für eine ansprechende Optik nötige Ordnung auch bei hoher Kundenfrequenz immer gewährleistet ist.

„Wenn mir jemand vor wenigen Wochen gesagt hätte, dass ich in einer Aldi-Filale auf dem Catwalk moderieren werde, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
Alexander Mazza
Doch unbezweifelbar ist, dass es der Designerin gelungen ist, bei Blue Motion den Nerv der Aldi-Produktphilosophie zu treffen. Alle Teile bewegen sich mit Kampfpreisen zwischen 7,95 und 19,95 Euro zur hörbaren Freude der anwesenden Markenfans in eindeutigem Schnäppchenterrain. Zudem zielte Joop auf maximale Verwendbarkeit: "Alles lässt sich mit allem kombinieren. Wenn eine Kundin alle Teile kaufen würde, kann sie damit problemlos durch den Sommer kommen."

Ab 11. April muss sich nun zeigen, ob Blue Motion für Aldi ein Achtungserfolg ist oder ein lukratives neues Wachstumsfeld sein kann. Sollten die Kundinnen wie erhofft die Läden stürmen, hätte der Discounter ein neue Hype-Thema auf Augenhöhe mit dem eher männlich orientierten Medion-Sortiment. Und darüber hinaus würde Aldi auch mit Sicherheit in seinem regulären Modegeschäft von dem Imageschub der Designerkooperation profitieren. cam
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