Ach Mensch Viola Möbius - Der Freigeist

Donnerstag, 02. Oktober 2014
Viola Möbius
Viola Möbius
Foto: privat
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Viola Möbius Ingeborg Trampe Schweppes Langnese BBDO


"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT Online, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Viola Möbius, bekanntes Werbemodel, Designerin, Moderatorin und Coach aus Hamburg.
Kennen Sie das? Am Sonntagabend verdüstert sich schlagartig die Stimmung bei den meisten Deutschen. Der Montag steht vor der Tür. Für viele Arbeitnehmer beginnt mit der neuen Woche der sogenannte Ernst des Lebens. In den sozialen Netzwerken kann man am Ende des Wochenendes zig Jammer-Blogeinträge dazu lesen. Wenn Viola Möbius an den Montag denkt, fängt sie an zu singen. Denn für sie ist der Montag "der schönste Tag der Woche. Alles ist noch offen". Möbius, die in Hamburg bekannt ist wie ein bunter Hund, macht sich gerne liebevoll über die "Affenschwätzer" im Kopf lustig, die viele Menschen daran hindern würden, ein glückliches Leben zu führen. Für sie ist das hohe Frustpotential ihrer Mitmenschen ein Grund gewesen, Coaching-Programm "Vollgas ins Leben" zu entwickeln. Sie will Menschen aus ihren selbstverursachten Zwängen und Ritualen herausholen, so dass sie "Vollgas im Leben" geben können. Und wenn sich jemand mit Vollgas auskennt, ist das Möbius, die - so scheint es zumindest - schon sieben Leben gelebt hat.
Möbius: Werbemodel, Designerin, Moderatorin und Coach in einem
Möbius: Werbemodel, Designerin, Moderatorin und Coach in einem (Bild: privat)

Kommunikatives Multitalent mit großen Zielen

Nach der Wende kam sie als Teenager aus Sachsen-Anhalt nach Hamburg. Trotz ihres Chemie-Studiums tanzte sie kurz als Showgirl auf der Reeperbahn und wurde dabei als Model entdeckt. Einigen in der Werbung dürfte die schöne Frau mit den roten Haaren und den meerblauen Augen verdammt bekannt vorkommen. Denn sie war auf vielen Zeitungstiteln und in zahlreichen Werbekampagnen etwa für Astra, Schweppes, Saturn und Langnese zu sehen. Bekannt wurde sie aber vor allem durch ein Motiv für die Zigarettenmarke West. Nach einer Umfrage ist Viola Möbius das beliebteste Model der legendären Kampagnenserie. Das Motiv ist heute von den Hamburgern liebevoll als Karikatur im St. Pauli Stadion verewigt. Als Schauspielerin konnte man sie in Serien wie "Großstadtrevier" und "Die Camper" bewundern. Mit "Die Rache ist mein" hat das Energiebündel darüber hinaus vor ein paar Jahren laut "Bild"-Zeitung "Hamburgs härtesten Thriller" geschrieben, für den sie sogar in der Unterwelt recherchierte. Daneben hat sie über 500 Modeshows und Events moderiert. Und besitzt seit 2007 mit La Violet sogar ihr eigenes Design-Label für Mode und Accessoires. Ebenso lang coacht sie in großen Unternehmen und in jüngster Zeit zunehmend auch Privatleute. Gerade kommt sie von einer Aida-Reise zurück, auf der sie beispielsweise Mode-Events angeboten hat, sowie Vorträge hielt, die einen ersten Einblick in ihre Coaching-Methoden geben. Was für andere nach einem beängstigenden Pensum an Arbeit aussieht, bewältigt sie aber dank "Disziplin, Denkhygiene und einem Hang zu pragmatischen Lösungen" scheinbar mühelos. "Ich springe morgens aus dem Bett und überlege mir, was alles Tolles passieren kann. Wir leben in einem Land, wo alles möglich ist, aber die wenigsten Leute machen etwas daraus. Ich will viel schaffen und habe schon mehr in meinem Leben erreicht, als ich mir vorgestellt habe. Aber ich bin noch nicht angekommen", sprudelt es aus dem kommunikativen Multitalent nur so heraus.
„Das Leben ist jetzt. Der Schlüssel, Pläne umzusetzen ist, sich eine Deadline zu geben“
Viola Möbius
Bereits als Kind war Übermut einer ihrer wesentlichen Charakterzüge. Sie wuchs in einem liberalen Haushalt auf und durfte einfach so sein wie sie war: "extrovertiert, ein bisschen verrückt und auch anstrengend", erinnert sich Möbius. Mit ihrem Vater spielte sie als Kind Fußball, von ihrer Mutter, die Schneiderin war, bekam sie das kreative Talent mit auf den Weg. Klischees zwischen Männer und Frauen lernte sie erst im Westen kennen und wundert sich heute noch darüber. Ähnlich wie über die Selbstbeschränkung, die sich viele Menschen auferlegen. "Ich kann gut Alltagsfallen und Vermeidungsstrategien enttarnen. Menschen beschäftigen sich häufig mit unwichtigen Dingen, haben eine Unendlichkeitsdenke und verschieben alles auf später. Dadurch aktualisieren viele Leute ihr Leben nicht, rutschen in die Midlife-Crisis und werden frustriert", beobachtet Viola Möbius immer wieder. Sie selbst nimmt sich viel vor und lässt sich nicht von ihren Zielen ablenken. Sie schafft das auch, weil sie Listen mit Terminen für ihre eigenen Vorhaben führt. "Das Leben ist jetzt. Der Schlüssel, Pläne umzusetzen ist, sich eine Deadline zu geben". Darüber hinaus hält sie ihre "Affenschwätzer" durch eine konsequente Denkhygiene im Zaum. "Die meisten Menschen gehen schlecht mit sich um. Ich bin immer sehr gut zu mir". Vor allem aber schert sie sich wenig darum, was andere Leute über sie denken. "Das größte Übel ist, wegen anderer Menschen auf das eigene Ich zu verzichten und darauf, so zu leben, wie man will. Ich lasse mir von anderen nicht meine Tageslaune oder mein Glück beziehungsweise Unglück bestimmen. Ich beende Beziehungen - egal ob beruflich oder privat -, wenn mir jemand das Leben schwer macht. Jeder sollte sich trauen, ein bisschen mehr er selbst zu sein und sich selbst mehr Eigenliebe, Stolz und Würde wert sein."
Viola Möbius in ihrem Atelier
Viola Möbius in ihrem Atelier (Bild: privat)

Kleine Veränderung mit großer Wirkung

Als sie diesen Satz bei einem Schnupper-Kurs erwähnt, nicken aller in der Runde. Mit einer Mischung aus Provokation und Konfrontation lockt sie ihre Zuhörer aus der Reserve. Sie selbst sagt dazu: "Ich gebe Leuten einen liebevollen Klaps auf den Hinterkopf, sonst tut sich nichts." Gleichzeitig ist sie aber nahbar und erzählt aus ihrem eigenen Leben, um klarzumachen, dass jeder sein Leben ändern kann. "Es ist wichtig, sich konkrete kurzfristige Ziele zu setzen, nicht in Zehn-Jahres-Plänen zu denken. Oft passen langfristige Pläne gar nicht mehr zum Leben. Darüber hinaus muss man dranbleiben und diszipliniert seine Projekte verfolgen. Dafür können kleine Änderungen sehr große Wirkung haben", erzählt Möbius. Das mag alles kein Rocket-Science sein, aber im Gegensatz zu vielen anderen Coaches hilft Möbius ihren Klienten dabei, konkrete erste Schritte zu gehen, in überschaubaren Abschnitten zu planen, macht es alltagstauglich und sagt auch wie man es machen kann. Natürlich wird nicht jeder, der zu ihr kommt, so ein Freigeist werden wie sie es ist. O-Ton Möbius: "Ich werde als Exot empfohlen. Was richtig ist, denn ich betrachte die Dinge komplett anders." Doch immerhin beginnt man schon nach einem Vortrag ungute Gewohnheiten in seinem Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten und Kleinigkeiten im Alltag zu ändern. Genau das ist ihr Hebel. Nichts hinzunehmen, wie es ist, alles zu hinterfragen und unabhängig von den Meinungen anderer in seinem eigenen Lebensfluss zu existieren. Ohne Frage ist Viola Möbius eine besonders starke und unabhängige Frau. Und eine, die angstfrei in die Zukunft guckt und sogar sagt, dass sie von ihren Begegnungen in der Unterwelt ganz viel gelernt habe, etwa gradlinig zu sein. Ihre sechs Tattoos stehen für die unfassbar vielseitigen Erfahrungen in ihrem Leben, von denen normale Menschen vermutlich nur die wenigsten machen werden. Doch sie bricht ihre eigene Geschichte immer wieder geschickt auf eine nachvollziehbare Ebene hinunter. So erklärt sie ihre Vorliebe für Totenkopf-Tattoos ganz plausibel: "Totenköpfe sind das Symbol der Piraterie. Piraten sind freie Menschen. Sie nehmen es so, wie es kommt. Das ist eine Kunst zu leben, die man erst mal lernen muss". Ein Satz, den jeder versteht, auch wenn man selbst nicht so ein aufregendes Leben wie die lebhafte Erfolgstrainerin führt, die privat im ruhigen Stadtteil Ovelgönne wohnt. Obwohl sie schon verdammt viel in ihrem Leben gemacht hat, Träume gibt es noch immer. Sie möchte noch mehr reisen und am liebsten irgendwann ins Weltall. Irgendwie traut man Viola Möbius auch das zu. Sie hat bestimmt dazu schon einen Plan gemacht, während unsereins noch mit den "Affenschwätzern" kämpft. Immerhin halten sie Sonntagabend jetzt schon die Schnauze.

www.vollgas-ins-leben.de
Möbius als West-Girl
Möbius als West-Girl (Bild: Chon Choi)

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt. www.trampe-communication.de
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