Ach Mensch Daniela Lemke - Die Frauenversteherin

Montag, 01. September 2014
Daniela Lemke
Daniela Lemke
Foto: privat

"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Daniela Lemke, Kommunikationsdesignerin und Betreiberin des Dirndl-Labels Trachtenträume.
Es gibt ein Kleidungsstück, in dem einfach jede Frau umwerfend aussieht. Und wenn ich in Bayern wohnen würde, trüge ich nur Dirndl. Egal ob eine Frau groß oder klein, dünn und kurvig, alt oder jung ist, ein schönes Dirndl unterstreicht die Vorzüge und negiert die kleinen Makel, so dass die Komplimente durch das männliche Geschlecht nur so purzeln. "Ein Dirndl ist sehr weiblich und wird daher von Männern geliebt", sagt Daniela Lemke. Die Kommunikationsdesignerin muss es wissen. Denn sie betreibt seit 2005 als zweites Standbein ihr Label Trachtenträume. Für Lemke, die früher unter anderem als Senior Designer bei Lothar Böhme Design arbeitete, hat die Saison für ihr Dirndl-Geschäft längst begonnen. Ab dem 1. Mai mit dem Start der Wiesen- und Trachtenfesten in Bayern beschäftigen sich Frauen in Süddeutschland mit der neuen Dirndl-Mode. Und zum Oktoberfest in München kommen noch viele weitere Dirndl-Fans hinzu.

Aus Not eine Tugend gemacht

Schon früh im Studium stieß Daniela Lemke auf das Modethema und experimentierte mit Materialien und Mustern. Als Münchner Kindl war sie natürlich mit Trachtenmode groß geworden, sie selbst besitzt über 20 Dirndl, darunter auch Vintage-Raritäten von Lanz. Als treue Oktoberfest-Besucherin wollte sie damals am liebsten in jeder Saison mit einem neuen Dirndl auf die Wiesn gehen. Doch Dirndl sind teuer, kosten schnell 750 Euro und mehr. Also beschloss Lemke einfach, ihre eigenen Dirndl durch neue Schürzenkreationen immer wieder neu zu erfinden. Die Idee zu Trachtenträume war geboren. Durch den Kauf einer oder mehrerer Schürzen können Frauen ihren Look jedes Jahr durch "mix and match" aktualisieren, ohne sich finanziell zu verausgaben. Typisch für eine Schürze von Daniela Lemke ist der breite doppelte Bund für eine üppige Schleife, die mit andersfarbigem Stoff hinterlegt ist. Der Sitz der Schleife entscheidet übrigens darüber, ob jemand auf den Wiesn auf Partnersuche ist oder nicht. Sitzt die Schleife links ist die Frau Single und darf angeflirtet werden. Sitzt sie allerdings rechts sollten Männer besser vorsichtig sein, der Freund oder Ehemann könnte gleich um die Ecke kommen.
Die "Trachtenträume-Top 5" im September
Die "Trachtenträume-Top 5" im September (Bild: Trachtentraeume.de)
Mit Hilfe einer Schnittmacherin, die bei Modelegende Vivienne Westwood ihr Handwerk gelernt hat, kreierte Daniela Lemke "das perfekte Dirndl" sowie Schürzen, Blusen und hübsche Stofftaschen, die das Gesamt-Outfit abrunden. "Typische Accessoires wie Scharivari-Ketten kauft Daniela Lemke passend zu ihren Trachten hinzu. Vier Dirndl pro Saison entwirft sie sowie eine Vielzahl an Schürzen-Varianten. Die besten Ideen kommen der 39-Jährigen, die seit 2010 das zweite Mal in Hamburg lebt, nach wie vor in ihrer Heimat. Die hochwertigen Seidenstoffe kauft sie in Wien. Sie geht aber auch auf Messen und lässt sich von Farben und Formen inspirieren. "Ich habe ein gutes Gespür für Formen und Farben und jedes Jahr neue Einfälle. Es kommt immer etwas dazu", erzählt sie lächelnd.

Jagdfieber by Trachtenträume
Jagdfieber by Trachtenträume (Bild: Trachtentraeume.de)
Als sie mit Trachtenträume begann, arbeitete sie noch festangestellt und entwarf unter anderem Verpackungen für Florena Men, Schwarzkopf Schauma und eine Serie von Nivea-Duschbädern. Als Packaging-Designerin möchte sie auch weiter arbeiten, denn für sie ergänzen sich beide Bereiche optimal: "Die große Klammer ist, etwas schön machen", so Lemke. Weil sich ihr Label so gut entwickelte, beschloss sie vor zwei Jahren, nur noch freiberuflich zu arbeiten und die restliche Zeit ihren Trachtenträumen zu widmen. Ihr Vater hilft noch tatkräftig mit, im Haus ihrer Eltern in München befindet sich das Lager für den Online-Shop. Alle Produkte werden in Deutschland produziert. Wer nicht online kaufen will, findet ihre Kreationen auch in einigen Geschäften zum Beispiel in der Trachtenabteilung des renommierten Lodenfrey-Shops mitten im Herzen von München, aber auch in Salzburg und Meran. Darüber hinaus veranstaltet die Designerin schon Wochen, bevor das Oktoberfest beginnt, kleine private Events, wo Kundinnen im exklusiven Rahmen alles in Ruhe bei Prosecco und lockeren Gesprächen anprobieren können. Darüber hinaus macht Daniela Lemke zur Wiesn oft sogar noch einen Pop-up-Store auf. Am ersten Wochenende des Oktoberfests steht sie dann selbst in den Läden, in denen ihre Dirndl verkauft werden. "Durch die vielen Schürzen ist mein Label beratungsintensiver als andere."

Tracht ist wieder modern

In dieser Saison sind Schürzen mit Hirschmuster und kleinen Borten besonders beliebt. "Ich achte aber immer auf klare grafische Muster, damit die Dirndl jung und modern aussehen", erklärt die Münchnerin. Ihre Zielgruppe besteht aus Frauen von Mitte 20 bis Mitte 40, die modebewusst sind und einen eigenen Stil pflegen. Auch wenn Trachten schon seit mehreren Jahren wieder verstärkt in Mode sind, bedient Lemke mit ihren Entwürfen den Trend zur eher traditionellen Tracht, ohne jedoch bieder zu sein. "Ich denke schon, dass es ein Zurück zur echten Tracht und traditionellen Werten gibt", beobachtet die Designerin. Die Zeiten also, wo Dirndl mit viel Frou-Frou, Strass und Spitze überladen wurden, neigen sich damit wohl - Gott sei Dank - dem Ende zu. Sie selbst rät Frauen zum Dirndl hohe Schuhe zu tragen und keine Strümpfe, weil es einfach weiblicher aussehe. Für die nächsten Jahre kann sich Daniela Lemke noch viel Entwicklung für ihr Label vorstellen, etwa die Präsenz in Läden auszubauen, Strickjacken und Jankerl oder Trachtenhemden für Männer zu entwerfen.

Traditionell geht sie am ersten Wiesn-Wochenende sonntags mit der Familie ins Schützenzelt, weil es "so münchnerisch ist". Für alle, die es nicht nach München schaffen, empfiehlt sie - zu meiner Überraschung - zu den Oktoberfesten der regionalen Hofbrauhäuser zu gehen, die in Deutschlands Großstädten wie Pilze aus dem Boden schießen. Das ist nett und lustig, viele Leute kommen in Tracht. Gut zu wissen, dass mein Dirndl aus Garmisch in diesem Jahr auch in Hamburg zum Einsatz kommen kann. Der Trend ist also endgültig auch im Norden angekommen.

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt.
www.trampe-communication.de




Ingeborg Trampe
Ingeborg Trampe
Bild: privat
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