Ach Mensch Daniela Hinrichs - Die Beziehungs-Managerin

Freitag, 28. März 2014
Daniela Hinrichs (Foto: Armin Morbach)
Daniela Hinrichs (Foto: Armin Morbach)

"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Daniela Hinrichs, Entrepreneur und Betreiberin von DearPhotography. Die Dinge, die einen am meisten im Leben bewegen sind oft die, nach denen man gar nicht gesucht hat. So war es auch bei Daniela Hinrichs. "Die Fotokunst hat mich gefunden", erzählt sie mit einem strahlenden Lächeln. Zu verdanken hat die 38-Jährige das unter anderem den vielen Gesprächen mit F.C. Gundlach, dem Grand Seigneur der deutschen Modefotografie. Er infizierte die Hamburgerin so sehr, dass sie vor fünf Jahren anfing, Fotografien zu sammeln. Übrigens lange bevor der Kunstmarkt die Fotografie wiederentdeckte.

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Daniela Hinrichs, die als Mitinvestorin das soziale Netzwerk OpenBC (später Xing) mit ihrem späteren Ehemann Lars Hinrichs aufbaute und lange als Vice-President Corporate Communications bei Xing arbeitete, sammelt aus purer Leidenschaft. Wenn sie über Fotografie redet, leuchten ihre Augen. Sie liebt es, in die Ateliers zu gehen, mit den Künstlern zu sprechen und Arbeiten zu entdecken, die sie fordern. "Wenn Fotografien nicht über den ersten Eindruck hinausgehen, interessieren sie mich nicht. Sie müssen konzeptionell auf mehreren Ebenen funktionieren." Ihre Aufmerksamkeit bekommen daher vor allem Fotografen, die keine gefälligen Bilder machen, sondern ihrem eigenen künstlerischen Ruf folgen. "Ich habe eine hohe Affinität zu Menschen, die etwas wagen ohne doppelten Boden".

Über die Jahre wurde nicht nur ihr Blick für Fotografie immer besser geschult, sie merkte auch, welchen Kampf Fotografen heute teilweise führen, um zu überleben. "Keine Ausstellungen zu bekommen, ist nicht das Problem. Der Verkauf ist es". Viele Künstler können sich selbst nicht gut vermarkten. Hinzu kommt, dass Auftragsarbeiten schlecht bezahlt werden und die Zahl der Käufer im Fotografie-Bereich ziemlich überschaubar ist. Mal abgesehen davon ist die Demographie von Kunstsammlern ohnehin gerade mitten im Umbruch.

Sammler für Fotografie gewinnen

Ein Markt mit vielen Herausforderungen und damit genau richtig für Hinrichs, die selbst ein Faible dafür hat, etwas zu riskieren. So beschloss sie vor ein paar Monaten mit ihrer neuen Plattform Dear Photography einen ausgewählten Kreis an Fotografen zu repräsentieren und beim Verkauf von speziellen Editionen und limitierten Werken zu helfen. Dafür nimmt sie Portfolio-Reviews vor, kuratiert Fotografen und ihre Werke. Über ihre Plattform können Interessierte Bilder von Fotografen einfach anschauen, über sie lesen und unkompliziert kaufen. "Das Internet baut Schwellenängste ab", konstatiert Daniela Hinrichs. Ihr selbst ist der persönliche Kontakt zu den Künstlern besonders wichtig. Daher wird der Kreis der von ihr repräsentierten Fotografen immer überschaubar bleiben. Zu ihren Künstlern gehört natürlich der große F.C. Gundlach mit Modefotografien teils auf Cibachrome- Papier, das es heute gar nicht mehr gibt. Viele seiner Sujets sind aus den 60er Jahren und haben dennoch nichts von ihrer Aktualität verloren. Auch F.C. Gundlachs Schüler Kristian Schuller ist mit Modefotos bei DEAR Photography vertreten. Einige mögen den Namen noch mit Heidi Klums Allerwelt-Sendung "Germany s Next Top Model" verknüpfen, unterschätzen sollte man den Fotografen deswegen jedoch nicht. Er hat bei Vivienne Westwood Mode studiert, bevor er zur Fotografie fand und seine Affinität zu Modedesign und Stoffen sieht man noch heute. Eine echte Entdeckung im Portfolio ist die Künstlerin Pepa Hristova aus Bulgarien mit ihrer aufsehenerregenden Reihe "Sworn-Virgins" über Frauen, die mit männlicher Identität leben. Hristova hat bereits viele Preise im Bereich Dokumentarfotografie gewonnen, doch auch sie braucht schlicht mehr Verkäufe. Daher liegt es Daniela Hinrichs besonders am Herzen, den Künstlern zu neuen Kontaktmöglichkeiten zu verhelfen und Menschen an Fotografie heranzuführen.

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Ihre sympathische Ungekünsteltheit und große Begeisterung für das Thema helfen der Mutter von zwei Kindern, Türen zu öffnen. Menschen schenken ihr schnell Vertrauen, weiß auch Katharina Borchert, Geschäftsführerin von Spiegel Online. "Daniela hat eine schier unerschöpfliche Energie. Sie tanzt bis tief in die Nacht auf einer Party, tobt am nächsten Morgen schon früh wieder mit den Kindern, und ist dabei immer gelassen und warmherzig, und nicht wie die meisten von uns gestresst und an den Rändern leicht zerfasert. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie jeder Tätigkeit, vor allem aber jedem Menschen ihre volle Aufmerksamkeit widmet. Sie ist unglaublich präsent. Und genau das, gepaart mit großer Leidenschaft, macht sie im Beruf so erfolgreich und trägt maßgeblich dazu bei, dass ihr die unterschiedlichsten Menschen vertrauen." Es ist also kein Wunder, dass sie von Sammlern häufig um Rat gefragt wird und viele Fotografen aktiv auf sie zugehen. "Mein Business ist Relationship-Management, kein Internet-Business", macht Hinrichs unmissverständlich klar.

70% der Einnahmen über Dear Photography bleiben beim Künstler, das ist mehr als fair. Wer mit ins Portfolio von Daniela Hinrichs darf, bestimmen die Fotografen mit, sie müssen sich mit den Arbeiten der Kollegen identifizieren. Um neue Künstler zu entdecken, schaut sich Hinrichs viel an. Auf Reisen ist ihr Android-Handy ihr First Screen, um mit allen wichtigen Menschen in Kontakt zu bleiben. Sie geht zu Sammlungen und Kuratoren, um sich inspirieren zu lassen. Doch viele Arbeiten fallen durch ihr Raster. "Manchmal interessiert mich nur eine Arbeit, das reicht dann einfach nicht", sagt sie mit leichtem Bedauern. Denn eigentlich würde sie als unermüdliche Botschafterin für Fotografie gerne noch viel mehr für das Genre tun. Was aber rät sie Menschen, die anfangen wollen, Fotografien zu sammeln? "Kunst sollte man kaufen, weil sie einem Freude macht und nicht weil jemand sagt, das sollst Du kaufen." Ihr eigenes Zuhause hängt natürlich voller Fotografien. Welche genau, mag sie nicht verraten. "Die Bilder erinnern mich an Dinge und das ist hochemotional", lässt sie sich nur entlocken. Und bringt damit genau auf den Punkt, welche Stärke in Fotografie steckt. Gute Fotos brennen sich in unser Gedächtnis, speichern Erlebnisse und Gefühle, die man beim ersten Betrachten hatte und bleiben für immer im Kopf. So wie die zeitlosen anmutenden Aufnahmen von F.C. Gundlach und die eindringlichen Porträts von Pepa Hristova.

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt.
www.trampe-communication.de

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