Abgas-Affäre Volkswagen bittet US-Kunden um Geduld

Mittwoch, 18. November 2015
VW-Zentrale in Wolfsburg
VW-Zentrale in Wolfsburg
Foto: Volkswagen Aktiengesellschaft
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Volkswagen Geduld Michael Horn USA Roman Becker


In Los Angeles läuft gerade die Auto-Show. Volkswagen nutzt das Umfeld der wichtigen US-Messe für eine Kampagne. Der Konzern bittet erneut um Entschuldigung und um Geduld.
Die Entschuldigung erreicht die US-Verbraucher in Form von Anzeigen, die in 30 reichweitenstarken US-Zeitungen wie "New York Times", "Washington Post" und "Wall Street Journal" geschaltet werden. Unter der Überschrift "We're working to make things right" bittet US-Chef Michael Horn die Kunden weiter um Geduld. "Wir arbeiten unermüdlich daran, eine Lösung zu entwickeln", schreibt der Topmanager. Bei der Kampagne kommen zudem digitale Aktivitäten wie Banner und eine Microsite zum Einsatz.
Volkswagen will sich mit einer Anzeige Luft verschaffen
Volkswagen will sich mit einer Anzeige Luft verschaffen (Bild: VW)
Die Anzeige verzichtet
auf Bilder und setzt nur auf die Kraft der gedruckten Worte. Im Text erinnert Horn die Kunden daran, dass diese auf der Website prüfen können, ob sie Anspruch auf einen der beiden Gutscheine wie etwa eine Pre-Paid Visa-Card im Gesamtwert von 1000 Dollar haben. Die Kampagne soll wohl auch dazu dienen, die amerikanische Öffentlichkeit zu beruhigen.


Seit Wochen arbeiten Ingenieure, Motor- und Abgasspezialisten an mehreren Standorten an unterschiedlichen Lösungen.
Die verschiedenen Teams stehen, so hört man, im engen Austausch. Erste Abnahmen sollen bereits stattfinden. Bei Bosch sollen unter anderem SRC-Katalysatoren für den US-Markt bestellt worden sein. Allein in den Staaten sind von der Abgas-Affäre 500.000 Fahrzeuge betroffen.  Bis Ende der Woche muss VW den amerikanischen Behörden einen detaillierten Rückrufplan vorlegen.

Hierzulande prüft gerade das Kraftfahrt-Bundesamt die VW-Vorschläge zur Umrüstung der betroffenen Modelle. Bis zum vergangenen Sonntag hatte der Wolfsburger Konzern bei der Flensburger Behörde einen Maßnahmen-Katalog vorlegen müssen.


Derweil zeigt eine repräsentative Benchmarking-Studie des Mainzer Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Forum und des FAZ-Instituts, dass drei Viertel der deutschen VW-Kunden eine hohe emotionale Bindung zum größten europäischen Autobauer haben. Laut der Untersuchung sehen viele Kunden Werte wie Sicherheit, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Nähe durch das große Händlernetz erfüllt. Dieses Fan-Prinzip führt dazu, dass der Skandal viele Kernanforderungen der VW-Kunden überhaupt nicht berührt.
So zweifelhaft das auch klingen mag: Ob ein PKW einen niedrigen Stickoxid- oder Kohlendioxid-Ausstoß hat, spielt als Kaufmotiv bei der Anschaffung kaum eine Rolle", sagt Roman Becker. Den Schluss den der Forum-Geschäftsführer und Initiator der Studie  daraus zieht, dürfte das VW-Management angesichts mancher Expertenmeinung etwas beruhigen.  "Mittel- und langfristig wird es zumindest in Deutschland nicht zu den vielfach prognostizierten Abwanderungswellen kommen."  mir
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