Zu selbstgefällig: Warum ein früher Apple-Spot nie gesendet wurde

Dienstag, 14. August 2012
Andy Hertzfeld in dem nie gesendeten Apple-Spot
Andy Hertzfeld in dem nie gesendeten Apple-Spot


"Wir wollten einfach nur etwas unglaublich Tolles kreieren - ich glaube das haben wir geschafft", sagt ein grinsender Brillenträger in die Kamera. Dieser Satz des Softwareentwicklers Andy Hertzfeld fiel in einem Werbespot aus dem Jahre 1983, mit dem Apple eigentlich einem Millionenpublikum die Vorteile des Macintosh schmackhaft machen wollte. Doch der Spot schaffte es nie ins TV. Warum, das verrät Hertzfeld heute, 29 Jahre später. Des Rätsels (angebliche) Lösung: "Der Spot ging nie on air, weil Apple ihn für zu selbstgefällig hielt", schrieb Hertzfeld in seinem Google+-Account, wo er auch den Link zu dem Video postete. Der als "Software Wizard" bekannt gewordene IT-Experte war seinerzeit Mitglied des Entwicklerteams, das den legendären ersten Apple-PC Macintosh gestaltete. Auch Hertzfelds Kollegen Burrell Smith, George Crow, Bill Atkinson und Mike Murray haben in dem nie gesendeteten Spot einen Auftritt. Allerdings, schreibt Hertzfeld, hätten Händler das von der Agentur Chiat/Day entwickelte Filmchen als Promotion-Material verwendet.

Für ein Unternehmen, das zu Beginn der 80er Jahre noch in den Kinderschuhen steckte und dessen Welterfolg noch nicht abzusehen war, war Apples Zurückhaltung sicherlich nachvollziehbar. Andererseits hat das Unternehmen in der Folge weitaus großspurigere Auftritte hingelegt: Das ebenfalls in Zusammenarbeit mit TBWA Chiat Day und Regisseur Ridley Scott entwickelte Commercial "1984" zur Einführung des ersten Macintosh spielte auf den gleichnamigen Roman von George Orwell an - und inszenierte das Modell als Retter vor dem von Orwell beschriebenen, totalitären Großen Bruder, mit dem wohl wieder IBM gemeint war. Diesen Zusammenhang erkennt auch einer von Hertzfelds Followern auf Google+: "Damit ich das richtig verstehe: Streber, die lächeln, weil sie etwas Cooles entwickelt haben, sind zu selbstgefällig?", wundert sich User Michael Toy und legt mit leicht hämischem Unterton nach: "Wenn man bedenkt, dass dieser Computer erfunden wurde, um Menschen von Sklaven eines Kontroll-Imperiums zu freien, kreativen Individuen zu machen, ist das zurückhaltend und geschmackvoll."

Andy Hertzfeld war zu dem Zeitpunkt, als der Macintosh seinen Siegszug auf dem Markt begann, schon nicht mehr bei Apple. Dennoch blieb der heute 59-Jährige auch danach ein Software-Pionier: Zwischen 1986 und 1999 gründete Hertzfeld drei Internet-Firmen, ehe es ihn zu einem Unternehmen zog, das heute zu Apples größten Konkurrenten zählt: 2005 heuerte Hertzfeld bei Google an und war dort unter anderem Hauptverantwortlicher für die Benutzeroberfläche von Google+. ire
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