Zoff um ARD-Markencheck: Rewe widerspricht Vorwürfen gegen Pro-Planet

Mittwoch, 09. Januar 2013
Der "ARD Markencheck" zu Edeka und Rewe lief am Montag (Foto: WDR/Klaus Görgen)
Der "ARD Markencheck" zu Edeka und Rewe lief am Montag (Foto: WDR/Klaus Görgen)

Ganze 48 Stunden hat sich Rewe Zeit gelassen, um auf den "ARD-Markencheck" zu reagieren. Jetzt widerspricht das Handelsunternehmen den in der WDR-Produktion vorgebrachten Vorwürfen gegen sein Nachhaltigkeits-Label Pro-Planet aber umso heftiger. "Die Darstellung war leider unvollständig und irreführend", sagt Unternehmenssprecher Martin Brüning in einer offiziellen Stellungnahme. Nach Recherchen des Unternehmens ist keiner der gezeigten Erntehelfer den Rewe-Lieferanten bekannt. Das hatte die "Markencheck"-Redaktion allerdings auch so nicht ausdrücklich behauptet.  Die Sendung hatte eines der vielen Lager in der spanischen Anbauregion Almeria besucht, wo die Arbeiter unter menschenunwürdigen Umständen leben müssen. Keiner der Interviewten hatte angeben können, für wen ihre Arbeitgeber produzieren, und Rewe selbst hatte laut ARD auch keinen Zulieferbetrieb für das Pro-Planet-Label benennen worden. Vor diesem Hintergrund hatte "Markencheck" die Frage gestellt, inwieweit Rewe Missstände bei den Pro-Planet-Lieferanten tatsächlich ausschließen könne.

Diese suggestive Berichterstattung hatte ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlt. Wie Brüning selbst einräumt, kam es zu Zuschriften der Verbraucher und kritischen Reaktionen im Internet. Rewe verweist allerdings darauf, dass Pro-Planet in konkrete Projekte investiere, um die Lebensbedingungen der illegalen Einwanderer zu verbessern: "Rewe ist bislang das einzige Unternehmen in Almeria, das sich bei dem Thema engagiert."

Der Handelskonzern bekommt allerdings hier die Gefahren zu spüren, die bei der Schaffung eines eigenen Nachhaltigkeitslabels lauern. Pro-Planet hat sich allgemein der ökologischen und sozialen Verbesserung in der Erzeugung von Produkten verschrieben und wird von einem unabhängigen Beirat aus Vertretern von Nicht-Regierungsorganistationen überwacht. Pro-Planet spielt als Produktlabel eine strategische Rolle innerhalb der Rewe-Markenkampagne "Besser leben" und wurde sogar in einem eigenen TV-Spot  beworben.

Dagegen kooperiert Rewe-Konkurrent Edeka, der ebenfalls Thema des "Markencheck" war, in Umweltfragen mit dem WWF. Eine Allianz, die ebenfalls dem Produktsortiment des Händlers größere Glaubwürdigkeit verleihen soll, aber von den Machern der Sendung nicht weiter hinterfragt wurde.

Aber auch Edeka kann mit den Ergebnissen der Sendung nicht wirklich zufrieden sein. So belegte ein Test von Hackfleisch unterschiedlicher Preisstufen, dass es sich in allen Fällen um die gleiche Fleischqualität handelte. In einem Verkostungstest des Sortiments mussten sich die Edeka-Produkte den Lebensmitteln aus dem Aldi-Süd-Sortiment geschlagen geben. Für ein Unternehmen, das mit dem Markenclaim "Wir lieben Lebensmittel" wirbt, kaum ein befriedigender Kompetenzbeweis.

Für Edeka und Rewe sind diese Ergebnisse nicht zuletzt deshalb so heikel, weil sich der "Markencheck" zum echten Publikumsliebling im ARD-Programm entwickelt hat. Die Folge mit dem Vergleich der beiden Lebensmittelhändler erzielte beim Gesamtpublikum einen Marktanteil von 16,8 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag das Magazin mit 15,3 Prozent sogar von dem Tagessieger, der ZDF-Serie "Das Adlon: Eine Familiensaga". Entsprechend relevant dürfte der "Markencheck" für die Meinung junger Konsumenten sein, die für die Händler im Kontext einer langfristigen Kundenbindung besonders interessant sind. cam
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