Zoff mit Web.de: Post erwirkt Einstweilige Verfügung gegen Kampagne

Montag, 18. März 2013

Im Kampf zwischen De-Mail und E-Post wird mit immer härteren Bandagen gekämpft. Die Deutsche Post hat gegen Web.de vor dem Kölner Landgericht eine Einstweilige Verfügung gegen den aktuellen De-Mail-Spot der United-Internet-Tochter erwirkt. Das hat HORIZONT.NET am späten Freitag Abend erfahren. Der Deutschen Post stößt die die Aussage in dem TV-Clip „nur hier sind Sender und Empfänger klar identifiziert“ sauer auf. Sie sieht die eindeutige Identifizierung auch durch ihr Postident-Verfahren gewährleistet. Das sah das Landgericht ähnlich und ordnete die Unterlassung der Aussage an. Web.de hat jetzt den Spot für die rechtssichere E-Mail etwas modifiziert. HORIZONT.NET zeigt den neuen Spot. Wäre das unterblieben, hätte den Verantwortlichen ein Zwangsgeld von 250.000 Euro oder eine Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten gedroht.

Trotzdem sieht sich Web.de zu Unrecht attackiert. „Weil die Post um diese Schwäche ihres Produktes weiß, versucht sie mit juristischen Schienbeintritten den Erfolg von De-Mail weiter zu verzögern“, heißt es bei Web.de. Das Unternehmen sieht in der EV lediglich einen Versuch, der De-Mail das Leben weiterhin zu erschweren. „So hat die Deutsche Post mit dem elektronischen Postbrief deshalb keine De-Mail-Zulassung, weil das Postident-Verfahren nicht den Datenschutzanforderungen des De-Mail-Gesetzes entspricht“, heißt es bei dem Unternehmen in Karlsruhe. Hintergrund des juristischen Kleinkriegs ist der zunehmende Wettbewerb zwischen der Deutschen Post mit ihrem E-Postbrief und den De-Mail-Anbietern Telekom, United Internet und Mentana Claimsoft.

Es geht um einen Milliarden-Markt. Von den rund 19 Milliarden jährlichen Briefsendungen in Deutschland sollen nach Schätzungen zwischen 30 und 75 Prozent digitalisierbar sein. Während die De-Mail-Anbieter hoffen, hier ein neues Geschäftsfeld zu erschließen, muss die Deutsche Post ihr angestammtes Briefgeschäft verteidigen. Nach Montana Claimsoft und der Telekom im Jahr 2012 haben auf der diesjährigen CeBIT Web.de und GMX die Zertifizierung als De-Mail-Anbieter vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik erhalten. Das dürfte zum einen die verschärfte Tonlage erklären. Zudem hat Web.de nach der Telekom jetzt eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne gestartet. Im Mai und nicht bereits im April wie ursprünglich angedacht wird zudem die Schwestermarke GMX folgen.

Doch auch die Deutsche Post ist nicht untätig. Das Unternehmen hat auf der Cebit die E-Post vorgestellt, die den E-Postbrief um neue Dienstleistungen und Services erweitert. „Privatnutzer, Mittelständler und Großunternehmen wollen nicht nur den digitalen Versand einer Nachricht von A nach B, sondern mehr Convenience im digitalen Alltag, mehr Online-Transaktionen und intelligenteres Management von Geschäftsprozessen und dies genauso sicher und vertraulich wie vom E-Postbrief gewohnt“, erklärt die Post die strategische Erweiterung. Kampflos wird der Gelbe Riese das Feld jedenfalls nicht räumen. mir
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