ZAW rechnet mit Stagnation

Mittwoch, 25. Mai 2005

Die Werbewirtschaft erwartet "gewisse Impulse" durch die vorgezogenen Bundestagswahlen im Herbst. Über 100 Millionen Euro werden die Wahlkampagnen der Parteien in die Kassen von Medien und Agenturen spülen, schätzt der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW).

Trotzdem hält ZAW-Präsident Hans-Henning Wiegmann an der verhaltenden Prognose von rund einem Prozent Wachstum für 2005 fest. "Die dauerhafte Stabilität des Werbemarktes ist noch nicht wiederhergestellt", sagte Wiegmann auf der Präsentation der Jahreszahlen in Berlin.

Im Jahr 2004 konnte die Branche leicht um 1,1 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro zulegen. Seit dem Boomjahr 2000, in dem Agenturen und Medien noch 33,21 Milliarden Euro einnahmen, hatten die Unternehmen jedes Jahr sinkende Erlöse hinnehmen müssen. Vom Umsatz 2004 entfiel mit rund 19,6 Milliarden Euro und damit 67 Prozent sämtlicher Werbeinvestitionen der Großteil auf die Medien.

Die wichtigsten Werbeträger bleiben unverändert die Tageszeitungen, die mit Nettowerbeeinnahmen von rund 4,5 Milliarden Euro mit Abstand vor Fernsehen (3,86 Milliarden Euro) rangieren. Die größten Wachstumsraten verbuchten die Gattungen Online (plus 10,2 Prozent), Wochen- und Sonntagszeitungen (plus 9,2 Prozent) und Hörfunk (plus 6,9 Prozent). Rückläufig haben sich die Nettowerbeeinnahmen von Kinos, Verzeichnismedien, Fachzeitschriften und Publikumszeitschriften entwickelt.

Für das kommende Jahr gibt sich die Werbeindustrie wenig euphorisch. Von der von Wirtschaft und Politik mit großem Optimismus erwarteten Fußballweltmeisterschaft erhofft sich nur gut ein Drittel der Organisationen starke Impulse für den Werbemarkt. Allerdings rechnen lediglich 7 Prozent mit keinerlei Auswirkungen und immerhin 57 Prozent mit schwachen Effekten.

Störfeuer erwartet der Verband in den nächsten Monaten aus Brüssel. Insbesondere die von der EU-Kommission angeschobene Verordnung über gesundheitsbezogene Werbeaussagen bei Lebensmitteln sei ein "bürokratisches Monster von Werbezensur, das an staatliche Planwirtschaft erinnert", so Wiegmann. pap
Meist gelesen
stats