ZAW: Werbung bleibt trotz Flaute im Plus

Mittwoch, 16. Mai 2001

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) sieht trotz Werbedelle keinen Anlass zu Pessimismus. Für das Jahr 2001 erwartet der Verband sogar ein Wachstum der Werbeinvestitionen von 2 Prozent auf 34 Milliarden Euro. Im Vergleich zur Steigerung im Jahr 2000 von 5,6 Prozent bedeutet dies aber eine deutliche Verlangsamung des Wachstums.

Ähnlich sieht die Schätzung der Werbeträger aus. Laut ZAW-Prognose werden diese im Vergleich zu 2000 um 2,6 Prozent auf rund 23,9 Milliarden Euro zulegen. Der Zuwachs von 1999 auf 2000 betrug 6,8 Prozent. "Nach diesem Ausnahmejahr muss das prozentuale Wachstum deutlich abfallen", kommentiert ZAW-Sprecher Volker Nickel die Prognose für ein geringeres Werbewachstum in 2001.

Wachstumsträger für Werbeinvestitionen werden unter anderem im Wegfall von Rabattgesetz und Zugabenverordnung sowie Werbekampagnen für die bevorstehende Euro-Einführung gesehen. Positive Auswirkungen auf den Werbemarkt erhofft man sich auch von den Medien, der Telekommunikationsbranche sowie von Banken, Versicherungen und börsennotierte Unternehmen.

Sorge bereitet dem ZAW dagegen die Rechtspolitik in Deutschland und der EU. Das Bundesjustitzministerium plant, Werbeaussagen zum Vertragsbestandteil zu machen. Dadurch könnte Werbung zum Risiko für werbungstreibende Unternehmen und Werbeagenturen werden. "Es droht die Gefahr, das wir künftig hinter jedem Werbetexter mehrere Juristen stellen müssen", fürchtet der scheidende ZAW-Präsident Manfred Lange, wenn diese Pläne des Ministeriums umgesetzt werden.

Die europäische Werbeordnung bezeichnet der ZAW als wenig durchsichtig und entgegengesetzt dem Vorhaben, die Werbung zu liberalisieren. Während die Werbeordnung der EU stärker reglementieren wolle, würden der Europäische Gerichtshof, der Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht dem Konsumenten mittlerweile eine höhere Selbstverantwortung zuschreiben.
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