Wirbel um Kundendaten: O2 versteht die Aufregung nicht

von Marco Saal
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Telefónica will mit Kundendaten bei der Werbeindustrie punkten
Telefónica will mit Kundendaten bei der Werbeindustrie punkten

Eigentlich müsste bei O2 derzeit Partystimmung herrschen. Der Börsengang der deutschen Telefónica-Tochter am gestrigen Dienstag in Frankfurt spülte 1,45 Milliarden Euro in die Kasse des spanischen Telekommunikationskonzerns. Überschattet wird die größte europäische IPO im laufenden Jahr allerdings von Berichten über einen angeblich bevorstehenden Datenschutzskandal. O2 weist die Vorwürfe zurück.

Werbevideo für Telefónica Dynamic Insights

#VIDEOTAGL1#
Hintergrund sind die Pläne von Telefónica, Kundendaten wie etwa Alter und Geschlecht mit Bewegungsdaten zu kombinieren und der Werbeindustrie anzubieten. Dafür hat der Konzern gemeinsam mit dem Marktforscher GfK bereits Anfang Oktober in London den Geschäftsbereich Telefónica Dynamic Insights gegründet. Diese globale Business-Unit hat den Auftrag, Unternehmen weltweit mit Daten zu versorgen, die mehr Effizienz in der Werbung und im Marketing versprechen (siehe auch Unternehmensvideo oben).

Sogar das erste Produkt steht schon bereit: "Smart Steps wird Einzelhändlern helfen, die Bedürfnisse ihrer Kunden besser zu verstehen und zu erfüllen, die Kosten durch eine höhere Effizienz zu reduzieren und Entscheidungen auf einer besseren Wissensgrundlage zu treffen", verspricht Stephen Shurrock, CEO von Telefónica Digital. So sollen Shop-Betreiber etwa Informationen dazu erhalten, welche Kundengruppen sich wie lange wo aufhalten und woher sie gekommen sind. Für den Handel werde es damit deutlich einfacher, geeignete Standorte für neue Shops oder Produkt-Promotions zu finden.

"Datenschutz hat Priorität": Die Deutschland-Zentrale von O2
"Datenschutz hat Priorität": Die Deutschland-Zentrale von O2
Bei Datenschützern kommen die Pläne alles andere als gut an. "Standortdaten sind hochsensibel, weil eben über sie eindeutig erkennbar ist, wo sich jemand aufhält. Insofern sehe ich es mit großen Bauchschmerzen, dass jetzt offensichtlich Telekommunikationsunternehmen beginnen, diese Daten in die Welt zu streuen", zitiert Tagessschau.de Thilo Weichert, den Datenschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein.

Bei O2 versteht man die Aufregung nicht. "Dynamic Insights bietet Statistikprodukte an, bei denen ausschließlich anonymisierte Daten verwendet werden", versichert ein Sprecher von Telefónica Deutschland gegenüber HORIZONT.NET. Zudem werden die Daten nicht auf den einzelnen O2-Kunden heruntergebrochen, sondern gruppiert. Heißt: Ein Shop-Betreiber erfährt nur, dass beispielsweise auf der Frankfurter Zeil zu einer bestimmten Tageszeit besonders viele Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren unterwegs sind. Daten zu einzelnen Kunden sind tabu - genauso wie der punktgenaue Standort, der sich wegen der aktuellen Dichte der Mobilfunksendemasten gar nicht exakt bestimmen lässt.

Wann Telefónica Dynamic Insights in Deutschland an den Start geht, steht noch nicht fest. "Generell gilt aber für jede Produkteinführung, dass der Datenschutz oberste Priorität hat", beteuert der Unternehmenssprecher. mas
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