Wiener Würstchen: Ausstellung "Nackte Männer" wirbt jetzt mit Balken statt Latten

Montag, 15. Oktober 2012
Stein des Anstoßes: Die nackten Männer des Leopold Museums
Stein des Anstoßes: Die nackten Männer des Leopold Museums

Männer, wie Gott sie schuf, zieren zurzeit die Litfaßsäulen der Stadt Wien. Die Plakatwerbung für die Ausstellung "Nackte Männer" im Leopoldmuseum sorgte in der österreichischen Hauptstadt bereits vergangene Woche für Furore. Die Öffentlichkeit diskutierte so heftig über die Anzeigen, dass sich die Museumsleitung nun dafür entschieden hat, die Genitalien mit Balken zu überkleben. Das als anstößig empfundene Kunstwerk stammt von dem französischen Künstlerpaar Pierre & Gilles. Die Fotografie trägt den Titel "Vive la France" und soll mit den Männern unterschiedlicher Hautfarbe im Konfettiregen die multikulturelle Gesellschaft Frankreichs repräsentieren. Das lebensgroße Plakat hängt mehr als 100 Mal auf den Litfaßsäulen der Stadt.

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Aufgrund des Protests werden die Plakate ab Mittwoch zensiert. Gegenüber von Schulen werden sie sogar ganz ausgetauscht und mit dem zweiten Motiv der Kampagne ersetzt. „Dort wird das Werk "Der Prediger" von Egon Schiele aufgehängt. Es ist eine Zeichnung und daher vielleicht weniger polarisierend", sagt eine Sprecher des Museums. Für das Leopoldmuseum ist es wichtig, dass es seine Werbung aus freien Stücken ändert. Es sei ein Entgegenkommen im Zeichen der Toleranz, denn die Werbung sei auch unzensiert offiziell genehmigt.

Probleme mit seiner Werbung hatte das Museum bereits Anfang des Monats. Facebook löschte die Onlinewerbung mit den nackten Männern aus der Unternehmensseite zusammen mit allen Postings von Usern. Hochgeladen werden konnte daraufhin nur eine Version mit verpixeltem Intimbereich der Männer.

Die in öffentlichen Geschäften und Cafés ausgehängten Snip-Cards sind dagegen heiß begehrt. Das Museum denkt sogar darüber nach, Sticker mit dem Pierre & Gilles-Motive zu drucken. Die Plakatflächen sind noch bis Ende Oktober gebucht. Im Dezember soll die Print-Kampagne ein zweites Mal starten. Wegen der Proteste behält sich das Museum jedoch vor die Motive für diesen Flight zu ändern. Die Ausstellung ist vom 19. Oktober bis zum 31. Januar im Wiener Museumsquartier zu sehen. hor
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