Wie Samsung einer Selbstmord-Brücke neues Leben einhaucht

Donnerstag, 07. Februar 2013
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Samsung Seoul Selbstmord-Brücke Mapo-Brücke Südkorea


Seriös, risikoscheu und zutiefst langweilig, das Marketing der Lebensversicherer ist meist frei von größeren Überraschungen. Und das aus gutem Grund, denn sie bewerben letztlich eines der heikelsten Themen überhaupt: Die Vorbereitung auf den eigenen Tod. Wie sich trotzdem neue Akzente setzen lassen, um mit der eigenen Marke aus der grauen Masse der Versicherer herauszustechen, demonstriert nun die Samsung Lebensversicherung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. In einem von Cheil Worldwide umgesetzten Projekt versucht das Unternehmen, aus einer der berüchtigsten Selbstmordbrücken der Stadt eine Brücke des Lebens zu machen. Das Projekt spricht ein drückendes Problem Südkoreas an. Das Land hat die höchste Selbstmordrate aller OECD-Länder. Allein von den über 20 Brücken der Hauptstadt sprangen in den vergangenen fünf Jahren 1301 Lebensmüde. Die im Rahmen dieses Projektes umgestaltete Mapo-Brücke nimmt dabei mit 108 Selbstmordversuchen und 48 Toten eine Spitzenstellung ein. Die Brücke liegt nahe am Finanzbezirk der Hauptstadt und bietet Anlegern, die gerade einen großen finanziellen Verlust erlitten haben, eine günstige Gelegenheit für einen Selbstmord.

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Um ihnen neue Hoffnung zu geben, zeigt die mit Bewegungsmeldern ausgestattete Brücke bei der Annäherung eines Passanten positive Botschaften und aufmunternde Bilde, die an die kleinen Freuden des Lebens erinnern sollen. Eine Statue zweier Freunde soll Selbstmordkandidaten zusätzlich daran erinnern, dass sie von anderen Hilfe in ihrer Notlage erwarten können. Die Botschaften und Installationen entwickelte Cheil in enger Zusammenarbeit mit Psychologen und Experten der Selbstmordprävention.

Samsung begleitet das im Oktober 2012 gestartete und vorläufig auf ein Jahr angelegte Projekt ausschließlich mit PR und Social Media. Doch der weltweite PR-Effekt dürfte die für den Großkonzern überschaubaren Investitionen in die elektronische Hardware und Agenturleistungen mittlerweile mehr als aufgewogen haben. Entscheidender ist allerdings, dass sich die Lebensversicherung über das Projekt konkret als Marke profilieren kann, die für das Leben steht.

Für Lebensversicherer, die als Finanzdienstleister weder über ein passendes Produkt verfügen und angesichts des Themas dem eigentlichen Vertragskunden auch keinen für ihn noch erlebbaren Nutzen bieten können, ist diese Inszenierung eines erfahrbaren Markenerlebnisses meist eine unlösbare Aufgabe. Der Samsung Lebensversicherung scheint diese Aufgabe schon vier Monate nach Start des Projekts gelungen zu sein. Die Mapo-Brücke hat sich für viele Anwohner und Touristen zur Attraktion entwickelt und trägt mittlerweile den Spitznamen "Brücke des Lebens". cam
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