Wettbewerbshüter sprechen britische Supermarktketten frei

Mittwoch, 18. Oktober 2000

Für die britische Regierung ist die Kampagne zum Schutz der Verbraucher vor den vermeintlich zu profitsüchtigen Supermarktketten nach hinten losgegangen. Die Wettbewerbsbehörde Competition Commission, die seit 18 Monaten die Praktiken der großen britischen Supermarktketten untersucht, hat diese in ihrem nun vorgelegten Report vom Vorwurf freigesprochen, dem Verbraucher zu hohe Preise abzuverlangen. Eine glatte Niederlage für Handels- und Industrieminister Stephen Byers, der die „Rip-Off-Britain“- Kampagne im Laufe des vergangenen Jahres mit seinen Vorwürfen immer wieder angeheizt hatte. Mit der Absolution endet die wohl teuerste Untersuchung, die die Commission je durchgeführt hat. Sie soll rund 20 Millionen Pfund gekostet haben. Terry Leahy, Chef der Supermarktkette Tesco, sagte angesichts des Reports, dass es immer schon einen harten Wettbwerb im Markt gegeben habe und die Kunden davon nur profitierten. Tesco hatte gerade grünes Licht für eine neue Preisoffensive gegeben, kurz bevor der Report veröffentlicht wurde. Der größte britische Lebensmittelhändler kündigte Preisabstriche von bis zu 20 Prozent an und ließ verlauten, die ganze Kampagne werde das Unternehmen 55 Millionen Pfund kosten. Einige Analysten sehen in solchen Aktionen allerdings eher einen Marketing-Trick. Für die jüngste Initiative habe sich Tesco ein „sehr zweckmäßiges Timing“ ausgesucht, so Einzelhandels-Analyst Robert Clark. Mit der neuen Runde der Preisabstriche bei Tesco und ähnlichen Maßnahmen bei Asda, Wal-Mart und Safeway bleibt für die Regierung kein Handlungsbedarf mehr für radikale Maßnahmen.
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