Werbungtreibende leiden unter der Finanzkrise / OWM-Chef Becker kritisiert Mediaagenturen

Donnerstag, 23. Oktober 2008
OWM-Vorsitzender Uwe Becker warnt vor Werbeverboten
OWM-Vorsitzender Uwe Becker warnt vor Werbeverboten

Die Finanzkrise ist bei den deutschen Markenartiklern angekommen. Darauf deutet eine aktuelle Umfrage der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) unter ihren knapp 100 Mitgliedern hin. Danach hat sich die Stimmung hierzulande merklich verschlechtert. Mehr als drei Viertel der Unternehmen rechnen im kommenden Jahr mit einem Rückgang des Konsums. Die Folgen des Abschwungs werden wohl auch die Medien zu spüren bekommen. Nicht weniger als 35 Prozent der befragten OWM-Mitglieder sagen voraus, dass die Werbeausgaben im nächsten Jahr sinken werden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr erwarteten nur 6 Prozent der Unternehmen ein Minus. Immerhin 43 Prozent gehen für 2009 von konstanten Ausgaben aus. Und nur noch 22 Prozent erwarten steigende Budgets - deutlich weniger als 2007, als 42 Prozent ein Plus vorhersagten.

Ein Grund für die schlechte Stimmung ist das bereits abflauende Geschäft: So klagen 56 Prozent der befragten Unternehmen, dass die Ertragsentwicklung schon 2008 wesentlich schlechter verläuft. Bauchschmerzen verursachen aber insbesondere die deutlich gesunkenen Erwartungen bezüglich des privaten Konsums. Der Umfrage zufolge glaubt kein einziges Unternehmen, dass die Konsumausgaben im nächsten Jahr steigen werden. Nur 22 Prozent rechnen mit einer ähnlichen Entwicklung wie 2008, satte 78 Prozent erwarten eine Verschlechterung. „Die Verbraucher ändern ihr Konsumverhalten auch wegen der stark gestiegenen Energiekosten und den Preissteigerungen bei Lebensmitteln, hervorgerufen durch die gestiegenen Rohstoffpreise, sowie der Unsicherheit, wie es mit der Konjunktur weitergeht“, sagt der OWM-Vorsitzende Uwe Becker.

OWM-Chef Uwe Becker zur Neupositionierung von Mediaagenturen: Hier kann man Parallelen zum Finanzgewerbe sehen, wo die Anlageberater der Banken in Wirklichkeit schon keine Berater mehr waren - sondern Verkäufer von Produkten, die sie oft selbst nicht verstanden. Wohin dieses führt, sehen wir in diesen Tagen.“
Auch bei der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lage sehen die Unternehmen schwarz. Als gut wird sie von keinem Befragten beschrieben, 2007 waren es immerhin noch 48 Prozent. Rund drei Viertel, und damit deutlich mehr als 2007 mit ebenfalls 48 Prozent, schätzen die Lage als befriedigend ein, 27 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Im Vorjahr vertraten nur 4 Prozent diese Ansicht.

Vor dem Hintergrund der negativen Rahmenbedingungen kritisiert OWM-Chef Becker vor allem die zunehmenden Werbeverbote. „Zunehmend greift die Politik ein und schreibt uns vor, was gesagt werden muss oder was gesagt werden darf“, moniert Becker. Der Regulierungswahn nehme in teils erschreckendem Maße zu, so dass gut gemeinte Ansätze oft verheerende Folgen hätten.

Auch die jüngsten Entwicklungen im Mediasystem bergen nach Ansicht Beckers Gefahren. Vor allem das Bestreben vieler Agenturen, sich als eigene Wirtschaftsstufe zu definieren, kommt bei dem OWM-Chef nicht gut an: „Sie definieren sich nicht mehr als neutraler Berater der Unternehmen, sondern als Verkäufer und Händler von Werbezeiten.“ Damit seien deutliche Parallelen zum Finanzgewerbe zu erkennen. „Die Anlageberater der Banken waren in Wirklichkeit keine Berater mehr, sondern Verkäufer von Produkten, die offensichtlich oft von der Provisionshöhe und nicht vom Anlageinteresse der Kunden getrieben wurden“, zieht Becker Parallelen zur Bankenkrise. mas
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