Werberat: Die Zahl der Rügen steigt deutlich an

Donnerstag, 20. August 2009
ZAW-Sprecher Volker Nickel hat kein Verständnis für Verstöße
ZAW-Sprecher Volker Nickel hat kein Verständnis für Verstöße

Die Wirtschaftskrise macht auch dem Deutschen Werberat im wahrsten Sinne des Wortes schwer zu schaffen. Wie das Selbstkontrollorgan der Werbebranche mitteilt, hat die Zahl der fragwürdigen Werbekampagnen in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Begründet wird das vor allem mit der angespannten ökonomischen Situation vieler Unternehmen. Nach Angaben des Werberats ist die Zahl der Beschwerden aus der Bevölkerung im ersten Halbjahr dieses Jahres um ein Viertel auf 147 gestiegen. Die Beanstandungen durch das Selbstkontrollorgan der Werbebranche haben sich im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Drittel von 30 auf 39 erhöht. Davon wurden im 1. Halbjahr 2009 letztlich 5 gerügt. Im 1. Halbjahr 2008 hatte der Werberat lediglich 3 Rügen ausgesprochen.

Gerügt: Werbung von MSI Technologies...
Gerügt: Werbung von MSI Technologies...
Gerügt wurde unter anderem die Frankfurter Firma MSI Technologie. Das Unternehmen hatte einen Laptop mit einem Motiv beworben, das einen blutbespritzten, boxenden Mann mit blutgetränkten bandagierten Fäusten und der Überschrift "Unschlagbar" zeigte - und trotz Beanstandung nicht eingelenkt. Als demütigend und menschenunwürdig rügte der Werberat eine Werbepostkarte der Hotelkette Hostel A&O in Beiersdorf-Freudenberg. Der Hotelbetreiber zeigte auf dem Motiv den Unterleib einer Frau im Bikini mit der Aufschrift in Höhe des Schambereichs "24 h open" sowie dem Text "Sexy Preise". Ebenso sah die Beschwerdeinstanz das Plakat der Baufirma WOFA in Weil/ Schönbuch als sexistische Geschmacksverirrung, die einen Frauenhintern im String zeigte - mit dem Untertitel "Nicht überall sieht Wasser so attraktiv aus". Auch hier erfolgte eine öffentliche Rüge.

... und der Hotelkette Hostel A&O
... und der Hotelkette Hostel A&O
Begründet wird die steigende Anzahl umstrittener Werbekampagnen mit dem gestiegenen Leistungsdruck. "Das ist kein Grund, in der Werbung über die Grenzlinie gesellschaftlich akzeptierter Markt-Kommunikation zu gehen", gibt sich ZAW-Sprecher Volker Nickel wenig verständnisvoll. Nach Ansicht Nickels scheinen vor allem kleinere Firmen zu glauben, dass es in der Werbung hauptsächlich um die Produktion von Aufmerksamkeit gehe. Aufsehen schaffe aber selten Ansehen für Marken und wecke kaum Sympathie für angebotene Waren und Dienstleistung, so Nickel. "Aggressive Werbemethoden wandeln sich häufig zum betriebswirtschaftlichen Bumerang, der Kundenbeziehungen stören oder sogar kappen kann", warnt Nickel. mas
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