Werbemarkt schwächelt trotz Fußball-Europameisterschaft

Donnerstag, 12. Juli 2012
Procter & Gamble ist der Top-Spender in Deutschland
Procter & Gamble ist der Top-Spender in Deutschland

Eigentlich sieht das auf Bruttobasis auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Im ersten Halbjahr 2012 haben die Werbungtreibenden laut Nielsen 12,4 Milliarden Euro in Werbung investiert. Das ist ein Plus von zwei Prozent. Doch wenn man genauer hinschaut, trübt sich der positive Eindruck doch ein. Im zweiten Quartal hat der Werbemarkt nur um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt - trotz der Fußball-Europameisterschaft. Die Eurokrise macht sich allmählich im Markt bemerkbar. Ohne das Event wäre die Bilanz des ersten Halbjahres vermutlich schlechter ausgefallen. Laut Nielsen haben die Unternehmen allein 174 Millionen Euro in Werbung gesteckt, die einen direkten oder indirekten Bezug zum sportlichen Großereignis gehabt haben. Mit 150 Millionen Euro landete der größte Teil der Investitionen bei den TV-Sendern. Allerdings haben auch Zeitungen und Publikumstitel profitiert.

Trotzdem leiden die beiden Printgattungen weiter. Die Zeitungen kommen auf Investitionen von 2,4 Milliarden Euro und verzeichnen damit ein Minus von 4,9 Prozent. Die Publikumstitel verlieren 3,5 Prozent und kommen auf 1,7 Milliarden Euro. Die Fachzeitschriften verzeichnen Umsätze von 208 Millionen, ein Minus von 1,8 Prozent.

Positiv verläuft dagegen das ersten Halbjahr für das Fernsehen. Ein Plus von 4,4 Prozent bedeutet Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro. Erneut zweistellig wächt das Internet mit knapp 18 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Radio erwirtschaftet 720 Millionen (Plus 5,1). Kino hingegen verliert zweistellig. Umsätze von brutto 36 Millionen Euro bedeuten ein Minus von knapp 12 Prozent. Out of Home büßt 3,5 Prozent ein und erzielt 597 Millionen Euro.

Stärkster Werbungtreibender ist erneut Procter & Gamble. Für viele im Markt dürfte allerdings eines wichtiger sein: 228,4 Millionen Euro an Werbeinvestitionen bedeuten ein Plus von 8,5 Prozent. Der Konsumgüterriese hat damit seinen Werbedruck gegenüber den ersten Monaten des Jahres deutlich erhöht. Auf Platz 2 liegt L'Oréal mit brutto 177,1 Millionen (plus 11,4 Prozent) vor Unilever mit 171 Millionen (minus 1,3 Prozent).  Und noch eines fällt auf. Zwar agiert Aldi bis Juni nach wie vor defensiv und hat den Werbedruck erneut um über 36 Prozent auf 96 Millionen Euro verringert. Dafür geht Lidl wieder in die Offensive. Der Neckarsulmer Discounter hat erstmals wieder mehr in die Werbung investiert als im Vorjahr.  108 Millionen Euro bedeuten auf Bruttobasis ein Plus von 2,3 Prozent.

Ob damit der Handel mittelfristig wieder seine Spendings erhöht, darf noch bezweifelt werden. Insgesamt agiert die Branche nach wie vor zurückhaltend. In den ersten sechs Monaten des Jahres haben die Händler insgesamt 771 Millionen Euro investiert. Das bedeutet im Branchenranking immerhin wieder Platz 2 hinter den Autobauern (838 Millionen Euro/11 Prozent). Aber das Ergebnis bedeutet auch ein sattes Minus von 21 Prozent. mir
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