Werbebranche peilt Sprung über 30-Milliarden-Marke an

Dienstag, 23. Mai 2006
ZAW-Präsident Hans-Henning Wiegmann
ZAW-Präsident Hans-Henning Wiegmann

Die Werbebranche erwartet für 2006 ein Wachstum von 2 Prozent und damit den Sprung über die Grenze von 30 Milliarden Euro. 2005 waren die Investitionen in Werbung um 1,1 Prozent gestiegen. Die Zahlen nannte Hans-Henning Wiegmann, Präsident des ZAW Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft, auf der Pressekonferenz des ZAW in Berlin. Für 2007 sei aber ein Dämpfer in der Entwicklung zu erwarten. Grund sei das schwierigere ökonomische Umfeld. Offen sei gleichfalls, wie sich die zusätzlichen Kosten der privaten Haushalte und Unternehmen durch die Mehrwertsteuererhöhung sowie weiter steigenden Ausgaben für Gesundheit und Altersversorgung auf das Verbrauchsklima auswirkten. Die daraus resultierende anhaltende vorsichtige Konsumplanung der Bürger spiegele sich im Werbeverhalten, insbesondere vieler mittelständischer Unternehmen, wider, so Wiegmann.

Den gegenwärtigen Anteil der Investitionen in Werbung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,32 Prozent bezeichnete Wiegmann zudem als zu niedrig für den Wirtschaftskreislauf und die Medien. Der Anteil liegt damit auf dem gleichen niedrigen Niveau wie 1959. "Dieser historische Tiefstand demonstriert nachdrücklich die Unterversorgung der Märkte mit Werbung als Impulsgeber für den volkswirtschaftlichen Trend sowie für die Existenzsicherung der Medien", so Wiegmann.

2005 haben nach Analyse des ZAW auf der Grundlage der Betriebserhebungen seiner Mitgliedsverbände die Medien als Werbeträger netto 19,78 Milliarden Euro eingenommen. Das Wachstum von 193 Millionen Euro (plus 1 Prozent) betrug nur zwei Drittel des Vorjahres 2004: Die Medien konnten damals 302 Millionen Euro (+1,6 Prozent) aus dem Werbegeschäft gewinnen.

Von den 13 erfassbaren Werbeträgergruppen rangieren die Tageszeitungen mit 4,4 Milliarden Euro zwar an der Spitze der monetär werbestärksten Medien, ihr Werbegeschäft verminderte sich aber um 1,9 Prozent. Im Vorjahreszeitraum hatten ihre Werbeeinnahmen noch um 1 Prozent auf 4,5 Milliarden zugelegt.

Die TV-Sender konnten ihr Ergebnis weiter festigen. Sie steigerten ihre Netto-Werbeeinnahmen um 1,8 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro (Vorjahr +1,3 Prozent; 3,86 Milliarden Euro).

Anders das Ergebnis der Werbung per Post. 2005 erwirtschaftete dieser Werbeträger ein Netto-Werbevolumen von 3,4 Milliarden Euro, was im Vergleich zum Vorjahr mit Stagnation gleichzusetzen ist. Deutlich hinzugewonnen haben auf Platz vier die Anzeigenblätter. Sie kamen auf 1,9 Milliarden Euro, ein Wachstum von 3,4 Prozent.

Die Publikumszeitschriften kamen durch ein schlechtes erstes Halbjahr noch nicht aus der Rezession. Die Werbeumsätze betrugen 1,79 Milliarden Euro (-2,6 Prozent). Den Verzeichnis-Medien gelang nach Jahren rückläufigen Werbegeschäfts ein leichtes Plus von 0,1 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Die weiteren Werbeträger lagen unter dem Wert von 1 Milliarde Euro: Fachzeitschriften 902 Millionen Euro (+4,3 Prozent); Außenwerbung 769 Millionen Euro (+6,8 Prozent); Hörfunk 664 Millionen (+7,4 Prozent); Online-Angebote 332 Millionen Euro (+22,5 Prozent); Wochen- und Sonntagszeitungen 253 Millionen Euro (+5,6 Prozent), Kino 132 Millionen Euro (-9,8 Prozent), Zeitungssupplements 91 Millionen Euro (+1,1 Prozent).

Nach wie vor dominieren im Markt der Werbeträger monetär die Pressemedien (Zeitungen, Anzeigenblätter, Zeitschriften). 2005 erreichten sie gemeinsam 47 Prozent Marktanteil (+1 Prozent), die Funkmedien (TV, Radio, Online) 25 Prozent Marktanteil (+1 Prozent). kj
Meist gelesen
stats