Weltweiter Werbemarkt wächst trotz Finanzkrise um 4 Prozent

Dienstag, 07. Oktober 2008
Michael Bohn glaubt nicht an einer Werbeblase
Michael Bohn glaubt nicht an einer Werbeblase

Aller Hiobsbotschaften zum Trotz: Der weltweite Werbemarkt wird sowohl in diesem als auch im nächsten Jahr weiter wachsen – allerdings deutlich schwächer als bislang erwartet. Zenith Optimedia erwartet für dieses Jahr nur noch ein Plus von 4,3 Prozent - im Juni hatte die Mediaagenturgruppe noch ein Wachstum von 6,6 Prozent vorausgesagt. Für 2009 reduziert Zenith Optimedia seine Prognose von sechs auf vier Prozent. Deutschland wird ein Rückgang um zwei Prozent vorausgesagt. Nach Einschätzung der Mediaexperten werden die internationalen Bankenpleiten nur einen geringen direkten Effekt auf die Werbeinvestitionen haben. Grund sind die überschaubaren Spendings der Finanzdienstleister, die weltweit nur circa vier Prozent zu den Werbeausgaben beisteuern. Weitaus stärker belastet wird die Kommunikationswirtschaft nach Einschätzung von Zenith Optimedia durch die Zukunftsangst der Verbraucher, die auf die Kauflaune drückt, sowie durch die Werbungtreibenden, die aus Kostengründen ihre Etats eindampfen könnten.


Zenith-Chef Bohn zum deutschen Werbemarkt: Wir rechnen mit einem Minus von zwei Prozent. Für die klassischen, analogen Medien sehen wir einen Rückgang der Werbeumsätze von vier bis sechs Prozent. TV wird wahrscheinlich um etwa ein Prozent verlieren.
„Im Gegensatz zu den beiden Werbemarkteinbrüchen in den Jahren 1990 und 2000 haben Werbungtreibende in den vergangenen Jahren ihre Budgets nicht stärker erhöht als das Bruttoinlandsprodukt stieg“, erläutert Michael Bohn, CEO und Chairman bei Zenith Optimedia. Während in den Jahren 1989 und 2000 die Werbeausgaben jeweils um etwas mehr als ein Prozent über dem BIP lagen, bildeten sie nach Einschätzung von Zenith in den vergangenen Jahren mit 0,92 bis 0,93 Prozent den Markt realistisch ab. „Daraus schließen wir, dass es keine Werbeblase gibt, die platzt und den globalen Werbemarkt insgesamt schrumpfen lässt", erklärt Bohn.

Für Deutschland indes sieht Bohn für das kommende Jahr eine leicht rückläufige Entwicklung: „Wir rechnen mit einem Minus von zwei Prozent. Für die klassischen, analogen Medien sehen wir einen Rückgang der Werbeumsätze von vier bis sechs Prozent. TV wird wahrscheinlich um etwa ein Prozent verlieren. Die digitalen Medien werden mit fünf bis acht Prozent am meisten zulegen, jedoch deutlich weniger, als in früheren Jahren", so Bohn.

Die Aussichten für die sich entwickelnden Märkte, also alle Regionen außer Nordamerika, Westeuropa und Japan, sind deutlich besser. Die Region Asien & Pazifik wird 2008 um 6,6 Prozent und im kommenden Jahr um 5,2 Prozent zulegen. Für Zentral- und Osteuropa werden jeweils Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich vorhergesagt. Auch Lateinamerika wird ein Plus von jeweils zehn Prozent zugetraut. Die sich entwickelnden Märkte werden den Angaben zufolge ihren Anteil am Gesamtwerbemarkt zwischen 2007 und 2010 von 28 auf 32 Prozent steigern. mas
Meist gelesen
stats