„Warum nicht an ein Pampers-Abo denken?“ - E-Commerce-Experte Jochen Krisch im Interview

Donnerstag, 17. September 2009
E-Commerce-Experte Jochen Krisch im Interview
E-Commerce-Experte Jochen Krisch im Interview

Die Konsumgüterindustrie feilt an ihren E-Commerce-Strategien und hofft auf mehr Absatz im Netz. So hat Procter & Gamble angekündigt, seine Internet-Erlöse auf rund 4 Milliarden US-Dollar jährlich steigern zu wollen - was in etwa einer Verfünffachung gleichkommt. E-Commerce-Blogger Jochen Krisch sieht Potenzial - und hat da seine ganz eigenen Vorstellungen, wie er im Interview mit HORIZONT.NET verrät. Die FMCG-Branche tut sich in Deutschland schwer im Netz. Warum? Das liegt vor allem daran, dass sich die Händler schwertun. Es gibt vergleichsweise wenige Supermärkte mit einem Onlineshop. Es gilt vor allem zwei Fragen zu beantworten: Ist die Logistik so weit und ist der Verbraucher so weit? Beispiele wie Tesco in England oder auch in der Schweiz zeigen, dass Online-Supermärkte funktionieren können. Leshop.ch hat eine spezielle Kooperation mit der Schweizer Post, die die Haushalte zwischen 18 und 20 Uhr beliefert. So füllt die Post den Slot und die Kunden können zuhause die frische Ware in Empfang nehmen.

Das heißt, der Kunde ist Ihrer Meinung nach schon so weit? Ich denke, er wäre so weit, wenn es das Angebot in dem Maße gäbe. Das ist wie mit der Henne und dem Ei: Etabliert das Angebot den Absatzkanal, oder müssen erst ausreichend Kunden da sein, damit sich Investitionen in den Absatzkanal lohnen?

Procter plant auch den Verkauf über eigene Websites. Ist das der richtige Weg, wenn die Händler nicht mitmachen? Die Hersteller sollten sich durchaus Gedanken über ein Online-Vertriebskonzept machen. Das Beispiel Nespresso zeigt ja, dass es funktionieren kann. Es gibt diverse Marken-Websites, auf denen sich zahlreiche Kunden tummeln wie Pampers.com. Warum nicht mal mit mehr Kreativität drangehen und über ein Abo-Modell nachdenken?

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Mehr zum Thema E-Commerce in der Konsumgüterindustrie lesen Sie in HORIZONT 38/2009, die am heutigen Donnerstag erscheint. 

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Eine Windel-Flatrate? Wieso nicht? Es gibt sicherlich in nahezu jeder Produktkategorie spezifische Lösungen mit Potenzial. Was die Hersteller natürlich nicht tun dürfen, ist, hingehen und Händler spielen wollen.

In welchem Sinne? Mit einem klassischen Web-Shop in Konkurrenz zu klassischen Händlern treten. Dafür ist die Konkurrenzsituation zu groß - und die Händler wissen sehr gut, wie ihr Geschäft funktioniert. Da kann man nur verlieren. mh 

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