Vorsprung durch Technik? Audi gibt Gummi in Sadomaso-Bestseller

Dienstag, 14. August 2012
In Deutschland erschien "Shades of Grey" im Juli 2012
In Deutschland erschien "Shades of Grey" im Juli 2012

Die Zeiten, als Audi-Fahrer noch bieder waren und mühelos an der umhäkelten Klopapierrolle auf der Rückbank zu erkennen, sind wohl endgültig vorbei. Wie das amerikanische Werbefachblatt  "Adage" aktuell berichtet, haben es die sinnlichen Kurven von Audis heute gültiger Designlinie der Erotikautorin E. L. James derart angetan, dass sie Christian Grey, den dämonischen Liebhaber ihres SM-Bestsellers "Shades of Grey", zum erklärten Fan der Ingolstädter Premiummarke gemacht hat. Die prominente Nebenrolle in dem schlüpfrigen Dreiteiler ist durchaus keine Randnote. Allein im englischen Sprachraum hat sich das Buch schon 30 Millionen Mal verkauft. Die Rechte zur Veröffentlichung konnten weltweit, unter anderem auch nach Deutschland, verkauft werden. Damit erhält Audi ein Publikum kostenlos geliefert, dass sich durchaus mit den Zuschauerzahlen eines internationalen Kino-Blockbusters messen lassen kann.

Aber nicht nur die Quantität, auch die Qualität des Publikums ist für Audi höchst attraktiv. Denn die Marke wendet sich durch ihren Fokus auf die technische Potenz seiner Produkte tendenziell stärker an Männer als an Frauen. "Shades of Grey", das von Literaturkritikern gerne auch als "Mommy Porn" abgestempelt wird, hat dagegen eine stark weiblich dominierte Leserschaft. Und diese Leserinnen werden von der Autorin, die übrigens selbst keinen Audi fährt, mit überaus spezifischen Produktinformationen versorgt. So sinniert die junge Heldin der Geschichte an einer Stelle des Buches darüber, dass der Audi A3 Coupé, den sie von ihrem reichen Liebhaber geschenkt bekommen hat, über einen beleuchteten Schminkspiegel verfügt - anders als der VW Beetle, den sie bisher fuhr.

Die große Frage ist nun, ob Audi als Premiummarke diese Verbindung auch für eigene Kommunikationsmaßnahmen nutzen will. Eine große Chance dafür dürfte sich spätestens mit der Verfilmung der Buchtrilogie anbieten. Audi hat schon in der Vergangenheit mit Filmplatzierungen gearbeitet - unter anderem in "I Robot" und "Iron Man". Zudem verfolgt die Automarke zunehmen intensiver eine Owned-Media-Strategie, bei der es das erklärte Ziel massenattraktive Medieninhalte rund um die Marke zu generieren. Diesen Überlegungen steht allerdings das grundsätzliche Dilemma entgegen, dass sich Audi bisher von allen offen sexuellen Konnotationen in der Markenführung ferngehalten hat. Eine aktiv verfolgte Verbindung mit "Shades of Grey" würde damit einer Nachjustierung der Markenpositionierung gleichkommen. cam
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