Vodafone soll Bundesliga-Sponsor werden

Freitag, 04. Juli 2003

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) steht kurz vor ihrem größten Vermarktungserfolg in der jungen Geschichte ihres Bestehens. Die Führung um Wilfried Straub verhandelt derzeit mit Telekommunikationskonzern Vodafone (unter anderem Trikotpartner von Manchester United) über ein Sponsoring der Fußball-Bundesliga. Das Paket wird von Experten mit einem Wert von rund 75 Millionen Euro taxiert.

Immer wieder war in der Vergangenheit über die Vermarktung des Naming-Rights der Bundesliga gesprochen - und auch verhandelt - worden. Zu einem Abschluss kam es nie. Jetzt sind die Partner bereits in einer solch konkreten Verhandlungsphase, dass er schon in den nächsten Tagen vollendet sein könnte. "Sie werden verstehen, dass ich in laufenden Vertragsverhandlungen keine Einzelheiten nennen kann", sagte der für Marketing, Sponsoring und Lizenzen verantwortliche DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub gegenüber HORIZONT SPORT BUSINESS. Die Gespräche mit Vodafone bestätigte er aber. Von Vodafone war niemand zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Noch nicht bekannt ist, in welcher Form Vodafone neben der Nennung im Namen ("Vodafone-Bundesliga") werblich in Erscheinung treten würde. Doch ist wahrscheinlich, dass das Unternehmen mit dem Markenlogo auch in den Stadien und auf den Trikots der Teams auftauchen möchte. Auch wenn der Konzern den Shirtsponsoren der einzelnen Vereine ihren Platz auf der Brust der Spieler nicht streitig machen möchte, scheinen Konflikte vorprogrammiert. Vor allem mit dem Liga-Primus Bayern München. Dessen Top-Partner heißt bekanntlich T-Mobile - die unmittelbare Konkurrenz des potenziellen Liga-Partners. Doch der Liga-Vorstand ist laut Statuten befugt einen solchen Deal allein abzuschließen. "So sieht es das Regelwerk vor", bestätigte Straub.

Für die meisten Clubs der Fußball-Bundesliga wäre der Abschluss eines solchen Deals eine willkommene Nachricht. Die angesichts ausfallender TV-Gelder klammen Vereine kämen zu einer unverhofften Einnahme. Denn, auch wenn die kolportierten 75 Millionen Euro nicht erzielt werden, flössen immer noch Millionenbeträge an die einzelnen Vertreter der Eliteklasse.

Während die Fußball-Bundesliga mit der Vergabe des Naming-Right-Pakets Neuland betreten würde, ist Ligasponsoring in anderen europäischen Ländern gang und gäbe. In Belgien heißt die erste Division Ligue Jupiler, in Frankreich Ligue 1 Orange und im Mutterland des Fußballs, England, F.A. Barclaycard Premier League. In Österreich ist T-Mobile Sponsor der Bundesliga.

"Aus Vodafone-Sicht würde ein solcher Deal unbedingt Sinn machen", so Hartmut Zastrow, Vorstand der Sport + Markt AG in Köln in einer ersten Einschätzung des Deals. Der Sponsoring-Experte ist zwar überzeugt, dass Bayern München und Top-Partner T-Mobile Sturm gegen das Geschäft laufen würden, "doch der Rest der Liga kann das Geld sicher gut gebrauchen und wird wahrscheinlich einen solchen Abschluss begrüßen". Zastrow weiter: "Für die Münchner könnte man eine Lex Bayern finden - so dass Vodafone auf diesem Trikot nicht auftaucht."

Der Vernetzung einer solcher Ligasponsorship im TV steht offenbar nichts im Wege. Die Bayerische Rundfunkwerbung, die für die ARD das Sponsoring-Paket rund um die "Sportschau" auf den Markt bringt, bestätigt, dass die aussichtsreichsten Kandidaten für die zwei Presenting-Pakete aus dem Bereich Brauereien und Telekommunikation kommen. Vodafone gehöre dazu. "Natürlich stehen wir mit der DFL in ständigem Kontakt, um bei der Umsetzung nicht im Widerspruch mit der DFL-Vermarktung zu stehen", sagte Geschäftsführer Ludger Lausberg gegenüber HORIZONT SPORT BUSINESS. oz
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