"Viel zu teuer": Vodafone steigt aus Bieterkampf um Bundesliga-Rechte aus

Montag, 27. Februar 2012
Vodafone TV wird wohl auf ein eigenes Bundesliga-Angebot verzichten
Vodafone TV wird wohl auf ein eigenes Bundesliga-Angebot verzichten

Viel Rauch um nichts: Gut zwei Wochen nach dem Anpfiff im Bieterwettbewerb um die Rechte an der Fußball-Bundesliga macht Vodafone schon wieder einen Rückzieher. Der Düsseldorfer Telekommunikationskonzern habe nach reiflicher Überlegung entschieden, nicht als strategischer Bieter aufzutreten, kündigt Deutschland-Chef Friedrich Joussen in der "Wirtschaftswoche" an. Als Grund führt er vor allem die hohen Kosten an.
Vodafone-Chef Joussen warnt vor "tiefroten Zahlen"
Vodafone-Chef Joussen warnt vor "tiefroten Zahlen"
Aus Sicht von Vodafone-Chef Joussen lässt sich mit den teuren Fußball-Rechten nur schwer Geld verdienen: „Rechnen Sie doch mal: Eine dreistellige Millionensumme für das Live-Übertragungsrecht verteilt auf ein, zwei oder drei Millionen Pay-TV-Kunden. Als Ergebnis sehen Sie tiefrote Zahlen", erklärt Joussen gegenüber der "Wirtschaftswoche". "Die Fußballrechte sind viel zu teuer, um sich auf Vollkostenbasis zu tragen.“ Das gelte auch nicht nur für Vodafone. In Deutschland schaffe es derzeit kein Anbieter, eine Rendite auf den Erwerb seiner Fußballrechte zu bekommen – auch der Bezahlsender Sky nicht.

Anfang des Jahres klang das noch ganz anders. Damals hatte der für Vodafone TV zuständige Manager Dhananjay Mirchandani exklusiv gegenüber HORIZONT.NET angekündigt, dass Vodafone den Erwerb eines oder mehrerer Pakete prüfe. „Die Nachfrage ist da. Daher ist neben einer Kooperation mit einem Rechteinhaber auch der Erwerb eines Rechtepakets eine Option, die wir ernsthaft prüfen", erklärte Mirchandani damals gegenüber HORIZONT.NET. Von den zwei genannten Optionen ist jetzt offenbar nur noch eine übrig geblieben: Kunden von Vodafone TV werden künftig nur dann in den Genuss von Fußball-Übertragungen kommen, wenn Vodafone eine Kooperation mit einem Rechteinhaber abschließen sollte.

Joussen will sich künftig vor allem auf die 36 Millionen Haushalte in Deutschland konzentrieren, für die Fußball nicht so entscheidend sei. „Wir haben deshalb Verträge mit eigentlich allen großen Hollywood-Studios abgeschlossen.“ Der Manager glaubt, dass Vodafone TV das Potenzial hat, auch ohne Fußball groß zu werden. Der Düsseldorfer Telekommunikationskonzern hatte sein eigenes TV-Angebot vor rund einem Jahr gestartet. Mit dem Angebot, das den Fernsehempfang über Satellit, Kabel oder DSL-Anschluss ermöglicht, hat Vodafone inzwischen 100.000 Kunden gewonnen. mas
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