Vergleichende Werbung: Sixt fährt dem Carsharing-Startup Tamyca in die Parade

Donnerstag, 12. Juli 2012
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Sixt hat sich mit seinen meist lustigen, aber teils auch grenzwertigen Kampagnen einen Namen gemacht. So manches Mal lehnten sich der Pullacher Autoverleiher und seine Stammagentur Jung von Matt werblich ziemlich weit aus dem Fenster - zum Beispiel immer dann, wenn das Unternehmen die Konterfeis von Politikern wie Angela Merkel, Christian Wulff oder Philipp Rösler ohne Erlaubnis auf Werbemotiven verewigte, die dann auch noch wenig schmeichelhaft waren (siehe Galerie oben). Im Fall von Oskar Lafontaine wurde Sixt sogar zu einer Geldbuße von 100.000 Euro verurteilt. Dass jetzt ausgerechnet Sixt gegen ein kleines Start-up-Unternehmen wegen vergleichender Werbung vorgeht, ist vor diesem Hintergrund schon eine Überraschung.  Genau das ist aber der Fall. Sixt hat vor dem Landgericht München gegen das Carsharing-Startup Tamyca geklagt - und sich am Ende durchgesetzt. Aus Sicht der Richter war die im April gestartete, inhouse entwickelte Werbekampagne des Carsharing-Anbieters irreführend. Das Unternehmen hatte unter anderem im Internet damit geworben, dass Fahrzeuge bei Tamyca bis zu 60 Prozent günstiger seien als ähnliche Fahrzeuge bei Sixt.

Der Argumentation des Autovermieters, dass die Angebote nicht vergleichbar seien und dass es sich bei dem Preisvergleich um nicht repräsentative Extrembeispiele gehandelt habe, sind die Richter nun gefolgt. Der Widerspruch gegen die einstweilige Verfügung von Sixt wurde abgewiesen. Konsequenz: Die Werbemotive sind zwar noch im Internet zu finden, allerdings sind das Sixt-Logo sowie der Preis, den der Autovermieter für seine Fahrzeuge verlangt, inzwischen verpixelt worden (siehe Motiv oben).

Bei Tamyca hat man wenig Verständnis für die Entscheidung des Landgerichts: „Das ist ein ungünstiges Urteil für alle Start-ups und Unternehmen im Bereich des gemeinschaftlichen Konsums. Die Old Economy scheint noch nicht verstanden zu haben, dass neue peer-to-peer-Produkte und -Dienstleistungen die alten Produkte substituieren können und damit vom Verbraucher als etwas Vergleichbares wahrgenommen werden", nutzt Michael Minis, Gründer und Geschäftsführer von Tamyca, den Wirbel für Werbung in eigener Sache. mas
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