Verbrauchertäuschung: EU verbietet Werbung für "bekömmlichen" Wein

Donnerstag, 06. September 2012
Wein darf nicht als "bekömmlich" vermarktet werden
Wein darf nicht als "bekömmlich" vermarktet werden

Pfälzer Wein ist ein weltweiter Verkaufsschlager - er gilt als süffig, wohl schmeckend und erfrischend. Nur "bekömmlich" darf er nicht sein. Das hat jetzt der Europäische Gerichtshof entschieden. Leidtragender ist das Deutsche Weintor in Rheinland-Pfalz. Geht es nach den EU-Richtern, dann wird die in Ilbesheim ansässige Winzergenossenschaft den Werbeslogan für ihre säurereduzierten Weine ändern müssen. Konkret geht es um die Weine der Rebsorten Dornfelder, Grauer und Weißer Burgunder, die das Deutsche Weintor in einer "Edition Mild - sanfte Säure" anbietet und wegen des geringen Säuregehalts als "bekömmlich" anpreist.

Aus Sicht der Luxemburger Richter stellt dies eine "gesundheitsbezogene Angabe" dar. Die Werbung mit dem Begriff "bekömmlich" suggeriere eine geringe Belastung des Verdauungssystems und damit "eine nachhaltige positive physiologische Wirkung", heißt es in dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Negative Folgen, insbesondere bei häufigem Verzehr, würden damit unterschlagen. Gesundheitsbezogene Angaben seien bei Getränken mit einem Alkoholgehalt von über 1,2 Volumenprozent ohnehin verboten, heißt es in dem Urteil weiter.

Beim Deutschen Weintor hat man für das Urteil aus Luxemburg kein Verständnis. „Wir bedauern die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs und können sie auch nicht nachvollziehen", erklärt der geschäftsführende Vorstand, Jürgen C. Grallath. Aus Sicht Grallaths handelt es sich bei dem Begriff „bekömmlich“ nicht um eine gesundheitsbezogene Angabe, sondern "um eine bloße Beschreibung des Wohlbefindens beim Weingenuss". Ziel der Werbung sei es gewesen, dem Verbraucher eine Orientierung beim Weinkauf geben. Das letzte Wort ist in der Sache noch nicht gesprochen. Grallath will nun vor das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig ziehen. mas
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