Verbrauchertäuschung: Aldi-Bioplastiktüten sind kein Mist

Montag, 23. April 2012
Aldi zieht im Streit mit der Umwelthilfe den Kürzeren
Aldi zieht im Streit mit der Umwelthilfe den Kürzeren

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist im Fall der angeblich kompostierbaren Einkaufstüten von Aldi und Rewe einen Schritt weiter gekommen. Die beiden Handelsketten Aldi Nord und Aldi Süd gestehen ein, dass die Aussage, ihre Bioplastiktüten seien zu "100 Prozent kompostierbar", nicht haltbar ist. Sie verzichten künftig in der Werbung auf diese Behauptung. Die Unternehmen haben laut DUH eine Unterlassungserklärung unterzeichnet, die seit heute wirksam ist.

Ebenso wie Rewe hatten Aldi Nord und Aldi Süd ihre Tragetaschen bereits in der vergangenen Woche nicht mehr im Angebot. Die DUH hatte den Einzelhändlern öffentlichkeitswirksam auf einer Pressekonferenz am 11. April Greenwashing und Verbrauchertäuschung vorgeworfen und sie abgemahnt. Die als kompostierbar beworbenen Tragetaschen bestünden zu mehr als zwei Dritteln aus Erdöl und würden weder kompostiert noch recycelt. Nach Recherchen der DUH würden die Bioplastiktüten in den Kompostierungsanlagen normalerweise gemeinsam mit anderen Plastikfolien als „Störstoffe" aussortiert und anschließend entsorgt.

Aldi Süd bestätigt seine Unterschrift unter die Unterlassungserklärung. Wie Kommunikationschefin Kirsten Windhorn mitteilt, hätten sich die beiden Aldi-Unternehmensgruppen entschlossen, ihre Tragetaschen vorläufig aus dem Sortiment zu nehmen, "weil wir die Sachlage noch einmal in Ruhe prüfen und eine weitere Irritation unserer Kundinnen und Kunden, die durch die aktuelle Diskussion entstanden ist, vermeiden möchten". Gemeinsam mit unabhängigen Experten und dem Hersteller der Tüte wolle man Kompostierbarkeit und gesamtökologische Vorteile der Tragetasche nochmals untersuchen.

Rewe hat die Unterlassungserklärung noch nicht unterzeichnet. "Die Rewe Group prüft derzeit die gesamte Sach- und Rechtslage", teilt Pressesprecher Andreas Krämer auf Anfrage mit. "Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen. Wir werden der DUH fristgerecht unsere Entscheidung übermitteln." Das Unternehmen hatte die von der DUH erhobenen Vorwürfe, bei der Rewe-Tüte handele es sich um eine "Werbelüge" und "bewusste Irreführung", zunächst zurückgewiesen und sich auf den Hersteller berufen. Nach dessen Angaben seien die Tüten vollständig kompostierbar. Die Frist zur Abgabe einer Unterlassungserklärung läuft am Donnerstag ab. fo
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