Verbraucherschützer verklagen Rewe wegen trügerischer "Werbe-Idylle"

Donnerstag, 01. November 2001

Wegen irreführender Werbung für Käfig-Eier verklagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) in einem Musterverfahren die Handelsgruppe Rewe und Landkost-Eierzeugergemeinschaft. Werbung mit "ländlicher Idylle" sei eine systematische Täuschung der Verbraucher, begründen der VZBV, der Deutsche Tierschutzbund (DTSchB) und die Umweltstiftung Euronatur das Vorhaben. Bei der Verpackung und in der Werbung, so der Vorwurf, suggerierten viele Unternehmen eine ländliche Idylle mit Hühnern im Stroh und glücklichen Kühen auf saftigen Weiden sowie Hähnchen von rustikal anmutenden Bauernhöfen aus tiergerechter Aufzucht.

In der Realität entsprächen die so beworbenen Produkte aber häufig nur den gesetzlichen Minimalstandards. In vielen Fällen werde der Verbraucher "systematisch" getäuscht, sagte Edda Müller, Vorstand des VZBV. Dagegen sei laut einer Studie des VZBV der Verbraucher zunehmend bereit, beim Lebensmittelkauf Tier- und Umweltschutz zu berücksichtigen und dafür höhere Preise zu zahlen. Jeder vierte Kunde greife zudem bei Produkten zu, bei denen klangvolle Firmennamen und eine idyllische Bebilderung der Verpackung eingesetzt werden.

VZBV, Tierschutzbund und Euronatur fordern deshalb umfassende Reformen für mehr Transparenz. Sie verlangen unter anderem vollständige und verbesserte Produktions-Informationen, die Einführung eines Verbraucherinformations-Gesetzes und eine Reform des Wettbewerbsrechts mit härteren Sanktionen bei irreführender Werbung. Es könne keine Rede davon sein, dass der Handel den Verbraucher systematisch mit Idyllemotiven täusche, kritisierte dagegen Hubertus Pellengahr, Spercher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Der Konsument sei mündig und könne die Werbung auf den Verpackungen beurteilen. Die Verbraucher-, Tier- und Umweltschützer starten zeitgleich mit ihrer Klage eine Verbraucherinformationskampagne, die verschleierte Produktionsmethoden aufdecken soll. Erste Informationen gibt es auf der Website www.was-dahinter-steckt.de.
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