Verbraucherschützer schießen gegen Pharmawerbung

Mittwoch, 09. Oktober 2002

Die Verbraucherzentrale deutet das Eingeständnis eines Werbe-Irrtums des Pharmaherstellers Bristol-Meyers Squibb in einen grundsätzlichen Sieg über "illegale Arzneimittelwerbung" (so die Verbraucherschützer) um: Die Deutschland-Dependance von Bristol-Meyers Squibb in München hatte in der Publikumspresse anstatt ihrer seit Anfang des Jahres eingesetzten Imagemotive zum Thema Aids versehentlich ein Motiv für die ärztliche Fachpresse schalten lassen (Agentur: Unterweger und Partner, Hamburg).

Der Haken: Darauf werden HIV-Medikamente genannt - in der Publikumspresse sind jedoch gemäß dem bestehenden Werbeverbot für rezeptpflichtige Medikamente nur Motive zur Indikation Aids erlaubt. Die Verbraucherzentrale hat das Unternehmen sogleich abgemahnt. Bristol-Meyers Squibb habe daraufhin erklärt, die "Anzeigenkampagne zurückzuziehen" und "derartige Werbemaßnahmen künftig zu unterlassen", deuteln die Verbraucherschützer. Als positives Signal gegen eine Lockerung des Werbeverbots für Arzneimittel wertete der Verband die jüngste Entscheidung des zuständigen Ausschusses im Europaparlament.

Dieser hatte in der vergangenen Woche dem Vorschlag der EU-Kommission, zur Verbesserung der Patienteninformation die Werbung für rezeptpflichtige Medikamente zur Behandlung von HIV/Aids, Diabetes und Asthma modellhaft für fünf Jahre zuzulassen, eine Absage erteilt. Das Parlament wird sich am 22. Oktober mit der Angelegenheit befassen. Die Verbraucherschützer sind nach wie vor der Meinung, Werbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel würde den gesundheitlichen Verbraucherschutz verschlechtern. Das berechtigte Interesse, Patienten gut und unabhängig zu informieren, ließe sich durch Werbung nicht befriedigen.
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