Verbraucheranalyse: Die Wiederentdeckung der Eitelkeit

Dienstag, 25. September 2012
Mann legt Wert auf sein Äußeres: Anzeigenkampagne von Hugo Boss
Mann legt Wert auf sein Äußeres: Anzeigenkampagne von Hugo Boss

Es ist schon überraschend. Die Welt eilt seit vier Jahren von Wirtschaftskrise zu Wirtschaftskrise und ausgerechnet die sonst so pessimistischen Deutschen empfinden ihre ökonomische Situation als sehr gut oder gut. Das geht aus der aktuellen Verbraucheranalyse VA hervor, die Axel Springer und die Bauer Media Group heute in Hamburg vorgestellt haben. 45,3 Prozent beurteilen die eigene Lage als hervorragend, vor einem Jahr waren es 42,7 Prozent. Das ist die eine gute Nachricht, die die VA für die Unternehmen hatte. Die andere: Fast die Hälfte der Bundesbürger hat monatlich 200 Euro übrig, jeder zehnte hat sogar ein frei verfügbares Einkommen von über 500 Euro.
Schwerpunktmäßig untersuchte die VA in diesem Jahr die Themen „Die Deutschen und das Geld" und „Eine Zeitreise durch die Beautywelt". Anders als bei der Gesamtstimmung bieten die Deutschen in Sachen Finanzgeschäfte eher das erwartete Bild. Bei den Geldanlagen sind Produkte gefragt, die hohe Sicherheiten gegen Verluste bieten: Lebensversicherungen, Sparverträge, Bausparverträge und Immobilien. So besitzen, trotz der historisch niedrigen Zinsen, fast 70 Prozent der Deutschen ein Sparbuch. Auf Aktien setzen dagegen gerade mal 6,6 Prozent der Bevölkerung. Der Hang zur Sicherheit zeigt sich auch bei den Sparmotiven. Die meisten legen Geld für die Altersvorsorge zurück. Kampagnen wie der aktuelle Auftritt der Sparkasse dürften da bei den Konsumenten durchaus Beachtung finden.

Dagegen scheint Werbung für einen Bankenwechsel echte Geld- und Zeitverschwendung. Gerade mal 0,5 Prozent der über 30.000 Befragten wollen in den nächsten 12 Monaten ihre Hausbank wechseln. Daran hat auch der Boom der Direktbanken nichts geändert. Zwar haben Sparkassen und die Genossenschaftsbanken laut VA Kunden verloren, die Direktbanken verharren aber immer noch auf niedrigem Niveau. So haben gerade mal 3,1 Prozent der Deutschen ein Konto bei der ING-Diba, knapp ein Prozent unterhalten dort ein Girokonto. Und auch beim Onlinebanking liegen die Deutschen nicht vorne. Während in Norwegen 83 Prozent der Bevölkerung den digitalen Weg nutzt, sind es in Deutschland gerade mal 34 Prozent. Das ist europäisches Mittelmaß.

Müssen die Bankberater beim Onlinebanking noch Überzeuguungsarbeit leisten, haben es die Hersteller von Beautyprodukten leichter. Fast 80 Prozent der Deutschen finden das eigene Aussehen sehr wichtig. Das sind elf Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Der Trend zieht sich durch alle Alters- und Gesellschaftsgruppen. So kletterte etwa bei der 70plus-Generation der Wunsch nach gutem Aussehen von 58 Prozent auf 66,5. Und auch das werden Marketingstrategen bei den Konsumgüterriesen aufmerksam registrieren: 72 Prozent der Männer beurteilen das eigene Aussehen als wichtig. Vor zehn Jahren lag der Wert bei 63 Prozent. Die Folge: Besonders Parfüm und Düfte boomen derzeit. Im Jahr 2002 nutzten nur ein Drittel aller Frauen und nur 22 Prozent der Männer täglich ein Parfüm, heute sind es die Hälfte der Frauen und mehr als ein Drittel der Männer. Beim Kauf achten beide Gruppen vor allem auf Qualität und Marke. Der Preis spielt dagegen eine geringere Rolle. mir
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