Unter Foodwatch-Feuer: Unilever startet Becel-Kampagne mit Paul Breitner

Dienstag, 14. Februar 2012
Die Printanzeigen hat DDB London entwickelt
Die Printanzeigen hat DDB London entwickelt

Unilever schickt Paul Breitner für seine Marke Becel pro.activ aufs Feld. Der Fußball-Weltmeister von 1974 bekennt sich zu seinem Cholesterin-Problem und ist Testimonial für das Produkt, mit dem sich angeblich der Cholesterinwert senken lässt. Indes geht Foodwatch gerichtlich gegen den Konzern vor. Die Verbraucherorganisation will nach eigenem Bekunden mit einer Klage verhindern, dass der Hersteller mögliche „Risiken und Nebenwirkungen" von Becel pro.activ verschleiert.
Damit hat die Auseinandersetzung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. In einer ellenlangen Erklärung wies Unilever am Sonntag darauf hin, dass dem Konzern kein Schreiben des Landgerichts Hamburg vorliege, wo Foodwatch am 17. Januar eine Unterlassungsklage eingereicht haben will (Aktenzeichen 324 O 64/12). So würden also Vorwürfe erhoben, gegen die sich das Unternehmen nicht wehren könne, ein Indiz für „das fragwürdige und unseriöse Agieren des so genannten Verbraucherschutzvereins".

Das juristische Vorgehen der NGO richtet sich speziell gegen eine Aussage von Hans-Ulrich Klör von der Universität Gießen, der behauptet: „Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Hinweis darauf, dass der Verzehr Pflanzensterin-angereicherter Produkte mit Nebenwirkungen in Verbindung zu bringen ist." Unilever soll auf diese Aussage verzichten. Bereits seit November läuft eine E-Mail-Aktion von Foodwatch auf http://www.abgespeist.de/becel_proactiv/index_ger.html, in der Unilever aufgefordert wird, Becel pro.activ nicht mehr frei zugänglich zu verkaufen. 15.000 Menschen hätten den Aufruf bereits unterzeichnet, heißt auf der Website.

Während sich die beiden Kontrahenten Studien um die Ohren schlagen, die Sinn oder Unsinn des Lebensmittels belegen sollen, will der Markenartikler Konsumenten der Margarine zu Wort kommen lassen. Die am Montag gestartete Kampagne unter dem Motto "Cholesterin senken. Menschen zeigen ihre Erfolge", die laut Unilever-Specher Konstantin Bark keine spontane Antwort auf die Foodwatch-Kampagne darstellt, beinhaltet TV-Spots und Printanzeigen (Kreation: DDB London),  Pressearbeit (Edelman Hamburg) und Werbung am PoS (Rupp Die Markenflüsterer). Hatte 2008 noch Dieter Bohlen Pate für Becel gestanden, tritt nun der 60-jährige Breitner als Testimonial auf. Er berichtet, wie er mit der Margarine seinen Cholesterinwert senken konnte, zwei bislang unbekannte Frauen tun es ihm in zwei weiteren Spots nach. Über die Kampagnenwebsite und mittels PR ruft Breitner bis 31. März zum „Mitmachen & Cholesterin senken" auf. Unilever hofft dadurch, unter http://www.becel.de/ weitere Erfolgsgeschichten mit dem Produkt zu sammeln. Die Kampagne richtet sich laut Unilever an Konsumenten, die aufgrund ihrer Blutfett-Werte zwar ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen, bei denen eine medikamentöse Therapie aber noch nicht angezeigt ist. fo
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