United Internet macht 1&1 zur Mobile-Marke und erhöht Werbespendings

Donnerstag, 25. März 2010
Ralph Dommermuth erschließt neue Geschäftsfelder
Ralph Dommermuth erschließt neue Geschäftsfelder

Im Wachstumsmarkt für mobiles Internet tritt ein neuer namhafter Player an. Die United-Internet-Tochter 1&1 wird Privat- und Geschäftskunden ab Sommer 2010 unter der eigenen Marke Tarife für das Surfen mit Smartphones und Notebooks anbieten. Das kündigte Ralph Dommermuth, Vorstandschef von United Internet, am heutigen Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens an. Vor allem deshalb wird United Internet auch seine Werbeausgaben in diesem Jahr erhöhen. "Der Markt für mobiles Internet gewinnt ständig an Fahrt. Bis 2013 wird die Nutzerzahl in Deutschland auf 37 Millionen ansteigen. Davon wollen wir profitieren", erklärt Dommermuth den Schritt. Dass sich der DSL-Anbieter 1&1 im Mobile-Markt schwer tun könnte, fürchtet der Manager nicht. "Die Marke 1&1 steht für gute und günstige DSL-Angebote, ich bin mir sicher, dass wir das auch auf das mobile Internet übertragen können", sagt Dommermuth, der überaus ambitionierte Ziele verfolgt: "Es geht uns nicht darum, im Monat ein paar Tausend Verträge zu verkaufen. Wir wollen mit 1&1 im Wachstumsfeld mobiles Internet ein sehr relevanter Player werden."

Ralph Dommermuth: Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass die Konkurrenz groß ist und wir unsere Angebote lautstark kommunizieren müssen.“
Um dieses Ziel zu erreichen, wird United Internet ordentlich in Werbung investieren. "Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass die Konkurrenz groß ist und wir unsere Angebote lautstark kommunizieren müssen", erklärt Dommermuth gegenüber HORIZONT.NET. Entsprechend breit ist der Mediamix: Neben Online-Werbung, die im Mittelpunkt steht, setzt Dommermuth auch auf TV-Spots und Anzeigen, um die neuen Datentarife von 1&1 bekannt zu machen. Ob in der Kampagne wie bei den aktuellen 1&1-Spots (Agentur: Jung von Matt/Elbe, Hamburg) wieder der Leiter Kundenzufriedenheit, Marcel D'Avis, auftaucht, oder eine ganz neue Strategie verfolgt wird, steht laut Dommermuth noch nicht fest.

Keine Aussage gab es auch zur Höhe des Etats, den United Internet für die Launchkampagne bereitstellt. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass es sich um einen stattlichen Betrag handelt. Bei der Präsentation des Ausblicks für das Jahr 2010 sprach der United-Internet-Chef davon, dass sich das Marketingbudget des Unternehmens in diesem Jahr erhöhen soll, insbesondere im 2.Halbjahr. Also genau dann, wenn die neuen 1&1-Tarife an den Start gehen. Im Jahr 2009 hat United Internet laut Nielsen Media Research brutto knapp 50 Millionen Euro für klassische Werbung ausgegeben.

Neben der Werbung sollen auch die Preise den Marktneuling 1&1 beflügeln. Zwar verrät Dommermuth noch keine Details. Doch die mobilen Datentarife, bei denen es sich vorwiegend um Flatrate-Angebote handeln soll, dürften den Preiskampf weiter anheizen.  So begründet Dommermuth den Verzicht auf einen stationären Vertrieb im Handel damit, dass eine Präsenz am PoS "bei den Preisen, die wir bieten wollen, nicht realisierbar" wäre.

Die Bilanz für 2009

Die Bilanz für 2009
United Internet hat seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro gesteigert. Das ordentliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich um 12,4 Prozent auf 356 Millionen Euro. Das ordentliche Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte um 13,5 Prozent auf 300 Millionen Euro zu.

Möglich wird die Expansion ins mobile Internet durch einen Vertrag, den United Internet mit seinem langjährigen Mobilfunkpartner Vodafone ausgehandelt hat. Danach wird 1&1 zu einem virtuellen Netzbetreiber, der das Mobilfunknetz von Vodafone nutzt, um eigene Produkte zu vermarkten. "Wir kaufen Gesprächszeiten und Bandbreite bei Vodafone ein, können unsere Produkte aber völlig frei gestalten", sagt Dommermuth. Damit bekommt 1&1 deutlich mehr Gestaltungsfreiraum. Bislang trat 1&1 lediglich als Service-Provider von Vodafone auf - und hatte entsprechend geringen Einfluss auf Produktgestaltung und Margen.

Das mobile Internet ist nur ein Segment, in dem United Internet in Zukunft wachsen will. So will das in Montabaur ansässige Unternehmen das Geschäft mit gewerblichen Kunden ankurbeln. Kleinen Unternehmen und Freiberuflern will United Internet künftig eine ganze Reihe neuer Applikationen anbieten. Dazu gehört auch die sogenannte DE-Mail. Dabei handelt es sich um eine vom Bundesinnenministerium vorangetriebene, rechtsverbindliche E-Mail, die als Nachfolger des klassischen Briefs gehandet wird und Ende 2010 starten soll. Neben United Internet wollen auch die Deutsche Telekom sowie einige Banken, Versichererer und Versender mitverdienen. Aus gutem Grund, denn bei der Digitalisierung des Briefs geht es um viel Geld. Laut Bundesnetzagentur wurden 2009 rund 17 Milliarden Euro für Briefporto und Werbesendungen ausgegeben. "Davon wollen wir einen Teil abhaben", sagt Dommermuth. mas
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