Unicef Deutschland muss Spenden-Siegel des DZI abgeben

Mittwoch, 20. Februar 2008

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin hat dem Deutschen Komitee für Unicef sein Spenden-Siegel entzogen. Das Kinderhilfswerk habe unter anderem die Zahlung von Provisionen an Spendenwerber trotz entsprechender Fragen im jährlichen Prüfungsverfahren verschwiegen. Tatsächlich hat die Organisation von 2004 bis 2007 drei professionelle Spendenwerber erfolgsabhängig bezahlt. Darüber hinaus hat das DZI einen Verstoß gegen den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit festgestellt. Einer der erfolgsabhängig vergüteten Fundraiser hat für die angebliche Vermittlung einer Großspende des Konzerns Lidl eine Provision von 30.000 Euro erhalten. Unicef konnte dem DZI jedoch nicht belegen, dass zwischen dieser Vergütung und dem Zustandekommen der Spende ein Zusammenhang besteht.

Trotz dieser Verstöße habe das DZI zunächst erwogen, auf einen Entzug des Siegels zu verzichten und stattdessen strikt kontrollierte Auflagen zu erlassen. "In Anbetracht der in den vergangenen Wochen zu Tage getretenen gravierenden Leitungs-, Aufsichts- und Managementmängel und des unzureichenden Auskunftsverhaltens bei Unicef war für das DZI aber der Entzug des Spenden-Siegels unumgänglich", heißt es in einer Mitteilung des Instituts. Das Siegel kann erneut nach Ablauf eines vollständigen Geschäftsjahres beantragt werden.


Auf die Meldung gibt es bereits eine erste Reaktion auf Unternehmensseite. Der Capri-Sonne-Hersteller Deutsche Sisi-Werke in Heidelberg hat eine für morgen anberaumte Pressekonferenz zu einer gemeinsamen Aktion mit Unicef und mehreren Schwimmverbänden abgesagt. Ziel war es, Kindern und Jugendlichen mehr Spaß am Schwimmen zu vermitteln und gleichzeitig Kindern im Süden Afrikas zu einer besseren Schulbildung zu verhelfen. Das Pressegespräch soll nun zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Capri-Sonne habe bisher sehr vertrauensvoll und gut mit Unicef zusammengearbeitet, heißt es offiziell, und will der Kinderhilfsorganisation die Gelegenheit geben, "sich zu den neuen Vorwürfen zu erklären und diese auszuräumen". Danach werden man über die weitere Zusammenarbeit und die Durchführung der gemeinsamen Projekte entscheiden. bn

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