Trotz Shitstorm: Werder Bremen verpflichtet Wiesenhof als Hauptsponsor

Freitag, 10. August 2012
Werder Bremen und Wiesenhof gehen ab sofort gemeinsame Wege - die schon jetzt steinig sind
Werder Bremen und Wiesenhof gehen ab sofort gemeinsame Wege - die schon jetzt steinig sind


Konsequent, mutig oder einfach nur naiv? Der Bundesligist Werder Bremen hat wie zu Beginn der Woche kolportiert den Geflügelproduzenten Wiesenhof als neuen Hauptsponsor verpflichtet, obwohl auf der Facebook-Seite des Nordklubs die Fans seit Tagen Sturm laufen. Grund für den Protest: Wiesenhof geriet in der Vergangenheit mehrfach wegen Hygieneproblemen in die Schlagzeilen und stand darüber hinaus mehrfach im Verdacht, Tiere zu quälen.
Auf Facebook haben sich bereits zahlreiche Protestgruppen gebildet
Auf Facebook haben sich bereits zahlreiche Protestgruppen gebildet
"Das ist das erste Mal, dass ich mich nach 25 Jahren als Werder-Fan für den Verein schäme", schimpft ein Fan auf der Werder-Pinnwand, ein anderer Nutzer äußert ein knappes "Gefällt mir nicht mehr" und drückt damit aus, was Dutzende andere Facebook-Mitglieder denken. Mittlerweile haben sich zahlreiche Protest-Gruppen auf der sozialen Plattform gebildet, die Gruppe "Wiesenhof als Werder-Sponsor? NEIN Danke" steuert derzeit (10.08.2012; 13.30 Uhr) stramm auf die 15.000 Mitglieder zu.

Der Verein hatte im Vorfeld versucht, ein wenig das Feuer aus der Diskussion zu nehmen. Via Facebook-Posting teilten die Bremer mit, man werde sich "am Ende für eine Zusammenarbeit entscheiden, die zu Werder passt und die beste Lösung für den Verein sein wird." Gleichzeitig lud der Club seine Anhänger dazu ein, frei ihre Meinung zu äußern. Davon dürften auch in den kommenden Wochen und Monaten hunderte wenn nicht tausende Nutzer Gebrauch machen. Werder Bremen wird den Shitstorm sicherlich nicht auf die leichte Schulter nehmen: Der Verein gilt als erfolgreicher und sympathischer Gegenentwurf zu den Millionen-Clubs Bayern München oder Schalke 04.

"Wiesenhof hat mehr zu bieten"

Werders Marketingchef Klaus Filbry verteidigt das Wiesenhof-Sponsoring
Werders Marketingchef Klaus Filbry verteidigt das Wiesenhof-Sponsoring
Doch nicht zuletzt das Geld ist wohl einer Hauptgründe dafür, dass ab der nächsten Saison Wiesenhof auf den Trikots von Werder Bremen steht. Das Unternehmen mit Sitz in Visbek erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009/2010 1,1 Milliarden Euro und wird dementsprechend gut für sein Engagement zahlen. Wie viel, gaben indes weder die Sponsoringpartner noch die vermittelnde Vermarktungsagentur Infront Sports & Media bekannt. Laut Nachrichtenagentur dpa sollen es unbestätigten Medienberichten zufolge jedoch gut 5 Millionen Euro im Jahr sein.

Die Vereinsführung bemüht sich daher, ihre Entscheidung möglichst gut zu begründen: Zusammen mit der Mitteilung, dass Wiesenhof neuer Hauptsponsor wird, verschickt Werder Bremen ein Interview mit Präsident Klaus-Dieter Fischer, Marketingchef Klaus Filbry und Geschäftsführer Klaus Allofs und der Schlagzeile "Wiesenhof hat mehr zu bieten". Das Dreigestirn steht zu seiner Entscheidung: "Wir haben uns für Wiesenhof entschieden, nachdem wir uns in intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen über den Betrieb, die Motivation und die Ziele ausgetauscht haben." Man werde sich auch weiterhin über das Unternehmen auf dem neuesten Stand halten. Für die empörten Reaktionen der Fans hat man indes offenbar wenig übrig: "Wir würden uns eine Versachlichung der Debatte wünschen." Die Chancen dazu stehen vorerst schlecht: Derzeit kommt sekündlich neue Kritik auf der Werder-Fanpage hinzu. ire

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