Tolino statt Kindle: Telekom und Bertelsmann schmieden Allianz gegen Amazon

Freitag, 01. März 2013
Tolino bietet eine Alternative zu Amazon
Tolino bietet eine Alternative zu Amazon

Es ist der Versuch eines großen Wurfs und er ist wohl auch nötig. Ab sofort kämpfen die führenden deutschen Buchhändler Bertelsmann, Thalia, Hugendubel und Weltbild zusammen mit der Deutschen Telekom gegen Amazon - den Marktführer im digitalen Buchhandel. Die größte Herausforderung kommt dabei wohl dem Marketing zu, wie Thomas Kiessling, Chief Product & Innovation Officer der Deutschen Telekom bei der Präsentation in Berlin betonte: "Jetzt geht es darum, die Hardware-Marke Tolino im Publikumsmarkt zu etablieren."
Telekom-Manager Thomas Kiessling
Telekom-Manager Thomas Kiessling
Für die Telekom ist das Projekt einerseits eine Vollstreckung der Unternehmensstrategie der vernetzten Services. Der bis zu 2000 Bücher fassende Tolino-Reader, der bei Thalia für 99 Euro zu haben ist, soll wesentlich von der Vernetzung mit der Telekom-Cloud leben.

Aus Sicht der beteiligten Buchhändler liegt der Charme des neuen Geräts in seiner offenen Architektur. Anders als bei Amazon Kindle oder dem Apple iPad können auf dem Tolino unterschiedliche Händler ihre konkurrierenden Angebote mit selbst gesetzten Preisen präsentieren. Dieses Modell hat perspektivisch auf für Medienverlage großen Charme. Sie könnten den Tolino als digitale Vertriebsplattform nutzen, ohne bei der Genehmigung ihrer Apps von den Vorschriften des Betreibers einer geschlossenen Plattform abhängig zu sein.hat.

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Für die Endkunden wird der Tolino wohl am stärksten von der Beratungsleistung im stationären Buchhandel profitieren. Bisher hat das E-Reading-Segment darunter gelitten, dass Amazon als einzige profilierte Produktmarke offline nicht vertreten war, während der stationäre Handel nur über No-Name-Produkte verfügte. Entsprechend liegt der Marktanteil der digitalen Formate am gesamten Buchmarkt bei mageren 2 Prozent. Bis 2015 soll der Anteil allerdings auf 25 Prozent steigen, prophezeit Thalia-Chef Michael Busch: "Wir stehen auf der Schwelle zum Massenmarkt."

Ab dem 7. März wird der E-Reader bei den beteiligten Partnern zu kaufen sein. Parallel dazu startet auch eine Werbekampagne unter dem Claim "Tolino - die Leichtigkeit des Lesens". Doch der E-Reader soll nur der erste Schritt zur Etablierung einer breit angelegten Marke sein. Wie Telekom-Manager Kiessling betont, wird es in den nächsten Schritten auch Endgeräte für multimediale Inhalte geben. Spätestens dann wird sich der Newcomer mit den Platzhirschen iPad und Kindle direkt messen müssen. cam
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