"Tödliches Schönheitsideal": H&M gerät wegen gebräuntem Bikini-Testimonial unter Beschuss

Montag, 21. Mai 2012
Die Anzeigen sind aktuell noch in Magazinen zu sehen
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Eine sonnengebräunte Bikini-Schönheit, die sich an einem Traumstrand räkelt, laszive Blicke - und chillige Musik: Die Werbeoffensive für die aktuelle H&M-Sommerkollektion ist durchaus darauf angelegt, Menschen in Wallung zu bringen. Dass die heftigste Reaktion nun ausgerechnet von den Gesundheitsschützen kommt, dürfte der schwedischen Textilkette gar nicht schmecken. Denn die haben H&M wegen der Kampagne massiv kritisiert. Und zwar nicht, weil H&M zu viel nackte Haut zeigt. Sondern weil die Haut der Models zu stark gebräunt ist.
Die umstrittene Kampagne ging Anfang Mai auch in Deutschland an den Start. In den TV-Spots sowie auf den Printanzeigen und Plakaten wirbt das Model Isabeli Fontana für die Bikini-Kollektion von H&M. Die Gesundheitsschützer - etwa die Swedish Cancer Society (Cancerfonden) - stören sich daran, dass die Haut des Models zu stark gebräunt ist und werfen H&M vor, die Gefahren von Hautkrebs durch zu starkes Sonnen zu verharmlosen. Vor allem bei jungen Leuten werde mit der Kampagne ein "tödliches Schönheitsideal" kreiert, so der Vorwurf. 

Den Einwand von H&M, dass das Model Isabeli Fontana aus Brasilien stamme und daher von Natur aus eine dunklere Haut habe, lassen die Gesundheitsschützer nicht gelten. "Ganz egal, wo das H&M-Model seine Bräune her hat, der Effekt ist derselbe: H&M sagt uns, dass wir uns am Strand sonnen sollten", wird eine Sprecherin der Swedish Cancer Society in der Zeitung "Dagens Nyheter" zitiert. H&M werde dank der Kampagne nicht nur mehr Badeanzüge verkaufen, sondern auch dazu beitragen, dass mehr Menschen an den Folgen von Hautkrebs sterben, so die Sprecherin weiter.

H&M wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe: "Mit unserer Kampagne möchten wir unsere aktuellen Bademodentrends vorstellen, jedoch kein Ideal transportieren", erklärt der Konzern auf Anfrage von HORIZONT.NET. Gleichwohl gibt sich H&M gesprächsbereit: "Wir begrüßen aber jedes Feedback und werden intern diskutieren, wie wir dies in zukünftige Kampagnen einfließen lassen können."

Eine Absetzung der Kampagne oder eine kurzfristige Änderung des Mediaplans ist nicht geplant. Wie eine Sprecherin gegenüber HORIZONT.NET erläutert, läuft die Kampagne hierzulande ohnehin aus. So sind etwa die von der Inhouse-Agentur Red Room entwickelten TV-Spots schon seit Mitte Mai nicht mehr auf den großen Privatsendern wie RTL, Pro Sieben, Sat 1 und Vox zu sehen. Lediglich die Printmotive dürften noch in einigen Magazinen auftauchen. mas
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